Unser Leitartikel:
Das Klima-Desaster
Nun, es wäre ein wenig verfrüht, die für zwei Wochen angesetzte Klima-Konferenz schon nach einem Tag als »katastrophalen Mißerfolg« einzustufen – obwohl kein Beweis für das Gegenteil vorliegt und so gut wie keine Anzeichen dafür sprechen, daß bei dem teuren Unterfangen irgendetwas Sinnvolles für unsere Welt herauskommt.
Mit etwas gutem Willen könnte man es als Erfolg bezeichnen, daß sich hohe und zum Teil höchste Vertreter fast aller Länder der Erde in die Liste der Teilnehmer der Konferenz eingeschrieben haben, deren erklärtes Ziel darin besteht, einen Nachfolge-Vertrag für das auslaufende Kyoto-Protokoll auszuhandeln. Aber schon zwei einfache Zahlen lassen erkennen, wie es um die Sache wirklich steht: 192 Länder sind Teilnehmer der sogenannten Klimarahmenkonvention, nur 189 Staaten haben das Kyoto-Protokoll ratifiziert. Unter den Verweigerern sind die USA, trotz ihres »Hoffnung« verbreitenden Präsidenten und so vieler Aufforderungen seitens des »alten Europa«. Wie soll irgendwas funktionieren, wenn das größte Umweltverschmutzungsland einfach nicht mitspielt?
Die Regierenden der USA zeigen mit ihren Stinkefingern auf China und Indien und fordern von denen erhöhte Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase. Der große Friedenskämpfer Obama hat seinen Kalender sortieren lassen und beschlossen, statt am Anfang, nun doch zum Ende der Konferenz in Kopenhagen zu erscheinen. Er wird dort viele Hände schütteln und bei Dutzenden von Fototerminen in Kameras grinsen. Er wird eine Rede halten und vor der Presse erklären, wie toll es wäre, wenn alle Länder gemeinsam größere Anstrengungen unternähmen, um unsere Welt zu retten. Allerdings weiß man inzwischen, daß Obama wild entschlossen ist, unsere Welt durch noch mehr Krieg am Hindukusch zu retten. Daß all die Bomben und Flugzeuge einen ziemlich großen Beitrag zur Umweltverschmutzung leisten, sei nur am Rande erwähnt.
Auch die Länder der »freien Welt« Westeuropas haben sich in dieser Hinsicht schon mächtig mit Ruhm bekleckert – und das nicht nur in Bezug auf deren eifrige Teilnahme an den Kriegen. Sie bringen immer neue Argumente über die Festlegung von Begrenzungen für Emissionen in die Debatten – ohne auch nur annähernd die Frage des Energieverbrauchs pro Kopf der Bevölkerung zu betrachten –, so daß ein normaler Mensch erstens nicht mehr versteht, worum es eigentlich geht, und zweitens den Eindruck bekommen soll, daß sich die Regierenden ganz doll bemühen. Tatsächlich geht es aber darum, die eigene Unfähigkeit und Tatenlosigkeit mit sehr vielen Worten zu bemänteln. All die angeblichen Umweltschützer in den Regierungen haben vor allem eine Aufgabe: die Profitinteressen der eigenen Konzerne schützen. Der sinnlose und ergebnisfreie Streit innerhalb der EU um Abgase bei Autos hat das anschaulich illustriert.
Wir wissen nicht, ob uns wirklich eine Klimakatastrophe bevorsteht. Wir wissen aber, daß die Menschheit nicht mehr so weiterwirtschaften kann wie bisher. Wir wissen, daß Energie gespart werden muß, indem man sie sinnvoller einsetzt und weniger sinnlos vergeudet. Allerdings stehen die Lösungsmöglichkeiten in einem unlösbaren Widerspruch zur vorherrschenden Gesellschaftsordnung, in der bekanntlich der Gewinn des Kapitalisten der Maßstab aller Dinge ist. Das Desaster besteht darin, daß mit kosmetischen Änderungen da nicht viel zu machen ist. Wer das Klima wirklich langfristig schützen will, muß darüber nachdenken, wie wir die Kapitalisten loswerden können.
Uli Brockmeyer
Uli Brockmeyer : Dienstag 8. Dezember 2009
