Aus dem Gemeinderat der Stadt Esch/Alzette:

Nonnewisen und LSAP-Empfindlichkeit

Schwerpunkt war gestern eindeutig die Information des Schöffenrats an den Gemeinderat, wo das Projekt Nonnewisen dran ist. Bekanntlich werden rund zwei Drittel der dort geplanten 900 Wohnungen und Häuser von der Stadt Esch als Bauträger errichtet, der Rest durch den »Fonds de Logement«. Warum die Bürgermeisterin bei dieser Zahl nur mit 1500 bis 1800 Einwohnern rechnet, ist ihr Geheimnis. Immerhin sollte Bautenschöffe Hinterscheid ausdrücklich betonen, es gäbe da keine Hühnerställe.

Hitze wird über ein SudcalFernwärmenetz geliefert und aus dem Twinerg-Kraftwerk ausgekoppelt. Es besteht Anschlußzwang laut der Konvention, die der Gemeinderat später bewilligte.
Das hätte Kritik verdient, doch die blieb aus. In der Tat ist ein teures Fernwärmenetz zu Neubauten grober Unfug, umso mehr da konkret Nied-rigenergiestandard versprochen wird: die geringe noch nötige Restwärme ließe sich vernünftiger über Erdwärmetauscher gewinnen. Hier wird eindeutig ans Rohrverlegen gegangen, weil mit aller Gewalt die Ökobilanz der Gas-Dampf-Turbine verbessert werden soll. Doch die ist nun mal eindeutig zu groß geraten an dem Ort, wo sie steht, weil die Wärme, die da ausgekoppelt werden müßte, dort einfach nicht gebraucht wird. Und das ändert sich nicht, wenn nun künstlich Abnehmer zwangsverpflichtet werden.

Allerdings: das ist für Leute, die auf die Nonnewisen wohnen kommen, ein Spaß, der wesentlich teurer kommt als eine Vernunftlösung. Insofern ist fast zu wünschen, daß Aly Jaerling Recht hat, wenn er fürchtet, eine wirkliche soziale Mixität werde es nicht geben, sondern bestenfalls eine solche von Reichen und Reicheren. Die werden das leichter verkraften!
Lustig ist, daß jetzt auch in Esch auf anderweitig »bewährte« undemokratische Art kontroverse Diskussionen hinter verschlossene Kommissionstüren verschwinden: das grüne Urgestein Jean Huss schlug vor, über Details in der Stadtentwicklungskommission zu diskutieren, nachdem Hoffmann-Nachfolger Baum sich zu fragen getraut hatte, was verkauft und was vermietet wird, bzw. wo da Sozialwohnungen entstehen. Bürgermeisterin Mutsch fand das eine gute Idee, Bautenschöffe Hinterscheid meinte, jetzt werde halt mal gebaut, über Veräußerungsmodelle zu beschließen sei eine andere Debatte. Und prompt fügte Lydie Mutsch das Versprechen an, in den Gemeinderat zurückzukommen, wenn das ausdiskutiert ist. Früher wurde sowas im Gemeinderat ausdiskutiert, aber bitte...

Ach ja, vorgestellt wurde gestern die Insel »4N« (N für Nord), wo die Stadt als Bauträger 1.007,7 m² Gewerbefläche (wo eventuell auch eine Kinderkrippe hinkann), 179,6 m² Lager und 64 Wohneinheiten zu insgesamt 6.646,5 m² Wohnfläche mit 2.072,4 m² Außenflächen (Balkons, Terrassen, Privatgärten) errichtet. An Wohneinheiten gibt’s 28 Reihenhäuser von 109,5 bis 142,7 m² und 36 ein- oder zweistöckige Wohnungen von 48,6 bis 152,6 m². Die Form eines schief gestellten Vierecks mit 2.250 m² öffentlichem Gartenhof in der Mitte erinnert an die Gemeindebauten des Roten Wiens der vorigen Jahrhundertwende, ein Vergleich der in Esch aber sicher politisch unkorrekt ist: rot ist eine Farbe, die dort stark verblaßt ist ...
Der gesamte Gebäudekomplex steht auf einem gemeinsamen Untergeschoß, das Platz bietet für rund 120 Autostellplätze (4.047 m² – gar viele für 64 Wohneinheiten bei angeblichem Vorrang für den öffentlichen Verkehr!) und 43 Technik- und Kellerräume (600 m²).
Die Gesamtkosten werden samt 750.000 € für Außenanlagen, 3,39 Mio. Architekten- und Planungsbürogebühren und 3,33 Mio. Mehrwertsteuer (mit 15 und nicht mit 3%) 25,5 Mio. € betragen

Krach um Tunnel vom Parking zum Theater

Zwei Nachtragskredite fürs Theater waren auf der Tagesordnung: einstimmig genehmigt wurden 1,9 Mio. € für von der ITM (»Inspection du travail et des mines«) verlangte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, weil die heutigen Vorschriften maßgeblich sind, und nicht jene, die vor über 30 Jahren galten, als die damalige Betriebsgenehmigung erteilt wurde. CSV-Rat Zwally monierte allerdings, bei künftigen Projekten solle im Vorfeld mit der ITM Kontakt aufgenommen werden, um böse (sprich teure) Überraschungen wie diese hier in Zukunft auszuschließen.
Mit den Stimmen der Koalition, der CSV und der DP, aber bei einem festen Nein von Jaerling und Baum wurden 2,75 Mio. € für einen Verbindungstunnel ab Niveau -2 im Brill-Tiefparking zum Theater samt Lift zu jedem Niveau im Theater bewilligt. Der LSAP-Fraktionsführer Codello flippte völlig aus, als Aly Jaerling den Schöffenrat zu seiner Salamitaktik beglückwünschte: der Tunnel wurde als zu teuer abgelehnt, als der Bau des Parkings beschlossen wurde. Damals wären das Kosten des Parkings gewesen, sie wären also zu Lasten des Betreibers gegangen, es sei denn es wäre zu einer zu kleinen Auslastung gekommen, eine Angst die nach dem Erfolg am Stadthausplatz eigentlich nicht mehr umgeht. Jetzt ist das damals Abgelehnte auf einmal Teil der Theaterkosten und geht voll zu Lasten der Escher Steuerzahler, weigert sich doch das Kulturministerium beharrlich trotz überregionalem Charakters des Theaters mitzuzahlen.
LSAP-Rat Weidig sprach leidenschaftlich gegen das Tunnelprojekt, das er doch zu stimmen versprach, nachdem er ab dem Lift am Brillplatz einen überdachten offenen Gang zum Theater vorgeschlagen hatte. Dafür stimmte er jedoch nicht: er war bei beiden Theaterabstimmungen nicht im Saal.

jmj

Samstag 7. Februar 2009