Leinwandidol ohne Starallüren

Robert Redford wird 80

Robert Redford ist ein Hollywood-Rebell. Er lebt fernab in den Bergen von Utah, mit seiner deutschen Frau. Seine Liebe gilt dem Independent-Kino und der Umwelt. Mit 80 Jahren steht er weiter vor der Kamera, auch für Mainstream-Filme.

Kurz vor seinem 80. Geburtstag kehrt Robert Redford mit Hilfe eines Drachens in seine Jugend zurück. »Geschichtenerzählen spielte in meiner Kindheit eine wichtige Rolle. Dabei konnte ich eine Welt erleben, die viel größer war als meine eigene und die viel Magisches zu bieten hatte«, sinniert der Hollywoodstar über seine eher ungewöhnliche Rolle in einem Disney-Fantasymärchen. »Elliot, der Drache« handelt von der Freundschaft eines kleinen Jungen mit einem wilden Drachen.

Redford, der am 18. August 80 Jahre alt wird, kommt eine Woche später in der Rolle eines Holzschnitzers und Märchenerzählers in die deutschen Kinos. »Der Film gab mir die Gelegenheit, an diesen Ort in meinem eigenen Leben zurückzukehren«, erzählt Redford in einem Filminterview. »Wenn ich früher ‚Es war einmal’ hörte, war ich immer ganz aufgeregt.«

Der eigene Aufstieg in Hollywoods Star-Riege war eher holprig als märchenhaft. Geboren wurde er im kalifornischen Santa Monica, am Rand der Filmmetropole, als Sohn eines Milchmanns. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Mit einem Sport-Stipendium schaffte er es in die Universität von Colorado, flog aber nach Alkoholeskapaden wieder raus. Er trampte durch Europa, schlug sich mit dem Verkauf selbstgemalter Bilder durch, bis er zurück in New York auf der Schauspielschule entdeckt wurde.

Nach Filmen wie »Barfuß im Park« mit Jane Fonda und der Westernkomödie »Zwei Banditen« mit Paul Newman wurde Redford Ende der 1960er Jahre schnell zum Leinwandidol. Die stahlblauen Augen, das kantige Gesicht und der blonde Haarschopf halfen. Den Typ verwegener Romantiker hat er trotz Falten und grauen Haaren immer noch drauf.

Redford konnte es sich früh erlauben, auf Distanz zu gehen. »Hollywood war nie mein Traumziel«, erzählte er 2013 dem Magazin »Esquire«. Den Starrummel habe er nie ernst nehmen können. »Ich wurde nebenan geboren«, betonte Redford.

Auf der Leinwand konnte er als Liebhaber glänzen, etwa an der Seite von Meryl Streep in dem preisgekrönten Melodram »Jenseits von Afrika« (1985). Doch sein Privatleben hielt er stets unter Verschluß und aus den Schlagzeilen raus. Bereits mit 22 Jahren heiratete er die spätere Historikerin Lola Van Wagenen, die Ehe der vierfachen Eltern wurde 1985 geschieden. Die zweite Hochzeit feierte Redford in Hamburg. Dort gab er 2009 seiner langjährigen deutschen Freundin, der Malerin Sibylle Szaggars, das Ja-Wort.

Auf Filmpartys sieht man das Paar selten. Redford, der begeisterte Skifahrer, Reiter und Wanderer, lebt seit Jahrzehnten fernab vom Rummel in einem Landhaus im USA-Staat Utah. Nach eigenen Angaben würde er in seinem Leben rückblickend kaum etwas ändern wollen. Gibt es etwas, was er bereut? »Nein, ich würde alles wieder so machen, auch die Fehler, die gehören dazu, das ist Teil des Lebensprozesses«, sagte der Schauspieler und Regisseur im Interview der Deutschen Presse-Agentur, als er 2013 sein neuntes Regiewerk, den Politthriller »The Company you keep – Die Akte Grant«, vorstellte. Er bedauert also nichts? »Im Beruflichen nichts, vielleicht im Privaten, aber das werde ich Ihnen nicht sagen.«

Nicht nur räumlich ging Redford von Hollywood auf Distanz – auch inhaltlich. In den Rocky Mountains in Utah rief er 1980 das inzwischen größte USA-Filmfest für unabhängige Produktionen ins Leben. Jedes Jahr im Januar trifft sich beim Sundance-Festival die Independent-Szene, jedesmal feuert Festival-Gründer Redford die Filmschaffenden an. Er habe nichts gegen das Mainstream-Kino von Hollywood, sagte Redford im vorigen Januar bei der Eröffnung. Doch ihm komme es vor allem darauf an, die Vielfalt von Independent-Produktionen zu fördern. »Vielfalt kommt von dem Wort Unabhängigkeit, nach diesem Prinzip arbeiten wir hier«, betonte der Oscar-Preisträger.

Redford ist engagierter Umweltaktivist und Naturschützer. Als Vorzeige-Liberaler bezieht er auch auf der Leinwand oder im Regiestuhl häufig Position. Als Hauptdarsteller in der Wahl-Satire »Bill McKay – Der Kandidat« wurde er 1972 politisch, dann mit Dustin Hoffman als »Watergate«-Spürhunde der »Washington Post«, die Richard Nixon zu Fall brachten, in dem Drama »Die Unbestechlichen« (1976). In seinem wortlastigen Drama »Von Löwen und Lämmern« (2007) thematisierte er Kriegslust und Inkompetenz in Washington, unkritischen Journalismus und Fernsehverdummung.

Als Schauspieler lief er in dem Überlebensdrama »All Is Lost« mit 77 Jahren zur Höchstform auf. Er spielt einen Segler, der alleine auf seiner leck geschlagenen Jacht im Ozean treibt. Was passiert, wenn Menschen an die Grenze ihrer Belastbarkeit stoßen und nicht aufgeben? Diese Fragen hätten ihn interessiert, sagte Redford der »New York Times«. Bei den Dreharbeiten ging er an seine körperlichen Grenzen. Die Crew habe ihn mit Wasserwerfern und Windmaschinen »grün und blau geschlagen«, flachste der Schauspieler.

Die erhoffte Oscar-Nominierung für »All Is Lost« blieb 2014 aus. Seine bisher einzige Gewinnchance als Schauspieler hatte Redford an der Seite von Paul Newman in der Gaunerkomödie »Der Clou«. Das ist mehr als 40 Jahre her. In seiner langen Karriere holte der Star nur einen Goldjungen, 1981 als Regisseur von »Eine ganz normale Familie«. Ein Trostpflaster: 2002 ehrte ihn die Filmakademie mit einer Trophäe für sein Lebenswerk.

Vielleicht wird Redford seine Sammlung noch vergrößern. Mit 80 Jahren steht er weiter vor der Kamera. Die Science-Fiction-Romanze »The Discovery« soll 2017 in die Kinos kommen. Darin spielt der Hollywood-Rebell einen Wissenschaftler, der den Beweis für ein Leben nach dem Tod erbracht hat.

Barbara Munker, Los Angeles (dpa)

Robert Redford in »Out of Africa«, zusammen mit Meryl Streep

Mittwoch 17. August 2016