Eine Drohnen-Verschwörung

Ein Politkrimi über mögliche Konsequenzen eines außer Kontrolle geratenen militärischen Programms

Kein Staat der Welt verfügt über derartig viele Geheimdienste wie die USA. Mit den offiziellen und inoffiziellen Budgets dieser Dienste könnte man »Krisenländer« wie Griechenland auf einen Schlag sanieren. Die Zahl der Geheimagenten im Dienst von Uncle Sam ist nicht mehr zu überblicken. Deren Befugnisse und Einsatzbereiche stellen jeden James Bond in den Schatten.

Kein Geheimdienst der Welt ist in derartig viele politische Verbrechen und Kungeleien verwickelt wie die CIA. Angefangen von der umfassenden Fürsorge für Nazi-Kriegsverbrecher und die massive Einmischung in politische Entwicklungen in den meisten Ländern Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg durch die CIA-Vorgängerorganisation OSS – erinnert sei an die Geldkoffer des Herrn Allan Dulles zur aktiven Zurückdrängung des Einflusses der Kommunisten u.a. in den Gewerkschaften und an die antikommunistische Wühl- und Sabotagetätigkeit – über die Rolle bei zahlreichen Putschen und die Unterstützung bewaffneter konterrevolutionärer Banden im USA-»Hinterhof« Lateinamerika, bis hin zur bis heute andauernden Wühlarbeit gegen Kuba und die Beteiligung an »bunten Revolutionen« in der Ukraine, in Georgien und anderen Ländern.

Aktenkundig ist auch die Rolle der CIA und ihrer Kumpane der anderen USA-»Dienste« bei der Unterstützung der Mudschaheddin in Afghanistan, aus denen letztlich die Verbrecherbanden »Al Kaida« und »Islamischer Staat« wurden, sowie die immense Schuld an den Kriegen in Afghanistan, im Irak, in Libyen und in Syrien, die sich die USA-»Dienste« aufgeladen haben. Die Liste der Verbrechen der CIA ist lang, und noch viel länger ist die ihrer Todesopfer.

Wie viele und welche Aktionen CIA & Co. bisher »unter falscher Flagge« durchgeführt haben, um Vorwände für umfangreiche militärische Angriffe der USA und für massive Repressionen in aller Welt zu liefern, dürfte wohl kaum jemals publik werden. Es gibt mehrere Gründe zu der Annahme, daß die Anschläge des »9/11« dazu zählen. Seit jenem Tag im Jahr 2001 wurden die CIA und die anderen Geheimdienste mit noch mehr Geld und noch mehr Befugnissen ausgestattet, und innerhalb, zwischen und oberhalb der Geheimdienste entstanden neue Strukturen mit Sonderbefugnissen und unbegrenztem Budget, die heute überall in der Welt ihr Unwesen treiben.

Einige dieser Aktivitäten, die jedem Völkerrecht zuwiderlaufen, wurden durch die Dokumente bekannt, die Edward Snowden und andere »Whistleblower« öffentlich machten. Dazu gehört u.a. der umfassende Lauschangriff gegen Regierungen und Botschaften faktisch aller Staaten, in denen die USA »Interessen« haben. Ein großer Teil der Außenpolitik der USA wird längst von Strukturen der Geheimdienste gestaltet, die – wenn überhaupt – nur noch vom Präsidenten oder engen Vertrauten des Staatschefs und Oberkommandierenden der Streitkräfte kontrolliert werden.

Diese lange Vorrede erscheint angebracht, um ein Buch zu empfehlen, das alles andere als eine leichte Sommerlektüre ist. Der Autor Robert Ludlum hatte bereits lange vor dem 11. September das geheim operierende Spezialteam »Covert One« erfunden, eine kleine Truppe von Agenten, die selbst innerhalb der CIA verdeckt tätig sind und direkt einem Beauftragten des Präsidenten der USA unterstehen.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen hat die Thriller-Autorin Jamie Freveletti diese Idee des im März 2001 verstorbenen Robert Ludlum weiterentwickelt und mit »Die Taylor Strategie« einen Politkrimi verfaßt, der die Gefahren des unter Präsident Obama ausufernden Drohnen-Krieges bis zum Exzeß beschreibt. Es sind nicht die bösen Russen oder Chinesen, und schon gar nicht die noch fieseren Nordkoreaner, die hier als Gegner der Spezialagenten unterwegs sind, sondern im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, daß eine Gruppe skrupelloser Unternehmer, die eine der berüchtigten und unkontrollierbaren Privatarmeen aufgebaut haben, sich sowohl des Drohnen-Programms bemächtigt haben, als auch begonnene Forschungen eines Geheimlabors der USA-Armee benutzen wollen, um horrende Extra-Profite einzustreichen.

Die Autorin beschreibt eine Reihe ziemlich beängstigender Tatsachen, so die Stationierung und den Einsatz von Drohnen der USA im Ausland, die Totalüberwachung von Botschaften durch die CIA, die flächendeckende Überwachung durch Kameras in Britannien, wo eine Kamera auf elf Einwohner kommt, sowie den schier uneingeschränkten Handlungsspielraum der Spezialagenten der USA im Ausland und deren Zugriff auf »sichere Häuser«, Autos und Waffen selbst in der neutralen Schweiz.

Obwohl auch ein kritischer Ansatz gegenüber dem Drohnen-Programm und die Nutzung von Chemiewaffen zu erkennen ist, hat die Autorin keinerlei Probleme mit dem Einsatz der Spezialagenten, die durchweg als sympathische Zeitgenossen und Superhelden mit besonderen Fähigkeiten agieren.

Dennoch ist »Die Taylor Strategie« ein sehr lesenwertes Buch, da es höchst interessante Einblicke in Machtstrukturen der heutigen USA vermittelt sowie in mögliche Konsequenzen eines außer Kontrolle geratenen militärischen Programms.

Uli Brockmeyer


Robert Ludlum - Jamie Freveletti - Die Taylor-Strategie - Roman - Heyne Verlag 2016 - Paperback, Klappenbroschur - 430 Seiten, 16,99 Euro (D)- ISBN: 978-3-453-27062-6

Uli Brockmeyer : Freitag 5. August 2016