Aleba: Clearstream will 120 Arbeitsplätze nach Prag auslagern

Gewerkschaft informiert über Beschäftigungssituation im Finanzsektor

Die gänzlich der Deutschen Börse AG gehörende Wertpapierabwicklungs- und Verwahrgesellschaft Clearstream will bis Anfang nächsten Jahres 120 Arbeitsplätze vom Hauptsitz auf dem Kirchberg nach Prag auslagern. Diese neuerliche Hiobsbotschaft für den hiesigen Finanzsektor wurde am Donnerstagmorgen auf einer Pressekonferenz der Aleba publik. Es sei aber noch nicht entschieden, ob die Stellen in Luxemburg abgebaut werden, oder ob die betroffenen Mitarbeiter aufgefordert werden, in die tschechische Hauptstadt umzuziehen, so der Präsident der Bankengewerkschaft Marc Glesener.

Da die Aleba erst am Mittwochabend »von zuverlässigen Quellen« über die Pläne der Konzernführung unterrichtet worden sei, könne sie vorerst keine detaillierten Angaben machen. Man werde sich aber in den nächsten Tagen intensiv mit Clearstream beschäftigen. Ob »noch anderswo etwas im Busch ist«, konnte Glesener nicht sagen, jedenfalls werde die Beschäftigtenzahl des Finanzsektors nicht weiterwachsen wie bisher. »Wenn es in diesem Jahr bei einer Stagnation bleibt, können wir noch froh sein.«

Abgesehen von der isländischen Landsbanki hätten seit Januar 2008 14 Finanzinstitute insgesamt 334 Arbeitsplätze abgebaut, wobei 271 über Sozialpläne abgewickelt worden seien und 63 Mitarbeiter individuelle Kündigungen erhalten hätten. Scharfe Kritik übte Glesener an der Abwicklung der Sella-Bank, wo kein Sozialplan zustandekam und wo die Aleba die Betroffenen nun »individuell« unterstütze, sowie am Vorgehen der Landsbanki. Die Anwälte der zweitgrößten isländischen Bank hätten deren Insolvenzerklärung bereits am 12. Dezember mit einem Konkurs gleichgesetzt, was zunächst 104 Beschäftigten den Arbeitsplatz gekostet habe. Unter den Entlassenen seien mit neun Personaldelegierten, einer Schwangeren und drei Mitarbeitern im Elternurlaub auch solche, »die einen besonderen Schutz genießen«, so Glesener empört.

60 Entlassene habe man »gänzlich im Regen stehenlassen«, weil die Landsbanki ihnen seit Dezember, zum Teil sogar seit November, ihre Gehälter nicht ausbezahlt habe und sie zudem nicht an ihre Sparkonten herankämen. Ein solches Vorgehen offenbare eine »vollständige Abwesenheit von sozialer Verantwortung«. Hier solle die Regierung »auch mal strenger mit den Verantwortlichen anderer Länder sprechen und sagen: So nicht!«. Skandalös sei zudem, daß die Landsbanki etwa 50 Mitarbeiter neu eingestellt habe, um die Geschäfte der Bank abzuwickeln. Davon sei etwa die Hälfte außerhalb rekrutiert worden und alle seien – etwa hinsichtlich Urlaubsanspruch und Kündigungsfrist – mit deutlich schlechteren Verträgen abgespeist worden.

Am Dienstag werde das von der Aleba angerufene Arbeitsgericht sein Urteil in Sachen Landsbanki fällen und entscheiden, ob eine Insolvenzerklärung mit einem Konkurs gleichgesetzt werden kann. Die Gewerkschaft sei bereits dabei, einen Sozialplan auszuarbeiten für den Fall, daß sie den Prozeß gewinnt. Dann, so Glesener, »wären alle Arbeitsverträge weiterhin gültig«. In einer Erklärung, die die Personaldelegation der Dexia-BIL gestern auf der Pressekonferenz verteilte, wird gefragt, wo die Werte der Luxemburger Traditionsbank geblieben seien. Die Konzernführung habe noch immer nicht erklärt, wie sie sich den Abbau von 78 Arbeitsplätzen vorstelle. Zudem sei die BIL nach wie vor profitabel, während die Dexia in Holland unvernünftige Zukäufe getätigt habe, für die die BIL nun den Kopf herhalten müsse.

Die »Unterstellungen« von LCGB-Präsident Robert Weber, der die Aleba als »Hausgewerkschaft« des Bankenpatronats bezeichnet hatte, konterte Glesener mit dem Hinweis, der LCGB habe die Indexmanipulation auf Geheiß der CSV mitgetragen.

oe

Oliver Wagner : Freitag 6. Februar 2009