Unser Leitartikel:
Rechte der Personalvertreter ausweiten

Seit rund einem Vierteljahrhundert wird häufig in Konferenzen über die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz diskutiert und beraten. Dabei hat es seither nicht an vielen guten Absichtserklärungen gemangelt. Zu wesentlichen Verbesserungen haben diese bislang jedoch kaum geführt. Das Patronat ließ seinen Worten nämlich viel zu selten Taten folgen. Und wenn auf Drängen der Gewerkschaften seither so manche Gefahrenquellen auch beseitigt werden konnten, so ist unter dem Strich jedoch festzuhalten, dass in punkto Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz die Defizite noch recht zahlreich sind, und deswegen noch viel zu tun bleibt.

Von der Politik haben die arbeitenden Menschen in dieser Hinsicht allerdings kaum Schützenhilfe zu erwarten. Wer nämlich, so wie es Minister und Parlamentarier in der Regel offensichtlich tun, kaum hinter die Betriebsfassaden blickt und somit keine direkten Kontakte mit den Schaffenden hat, der kann nicht wissen, wie die Situation »um Terrain« in Wirklichkeit aussieht. Er kann nicht darüber in Kenntnis gesetzt werden, wo die Gefahrenquellen in den Betrieben lauern, wo und wie die Probleme an der Wurzel zu packen sind.

Umso wichtiger wäre es deshalb, wenn die Politik diese wichtige Aufgabe in die Hände von Personen delegieren würde, die sich in den Betrieben auskennen. Am einfachsten wäre dies über eine Reform des sogenannten Ausschussgesetzes zu erreichen, in dem die Rechte der Personalvertreter und der Sicherheitsleute in punkto Gesundheit und Sicherheit so ausgebaut würden, dass den Personalvertretern künftig gesetzlich die Möglichkeit gegeben wäre, in Zusammenarbeit mit der Gewerbeinspektion und den Arbeitsmedizinern die Hebel sofort unbürokratisch dort anzusetzen, wo aus Sicherheitsgründen schnelles Handels erfordert ist.

Wie schon mehrfach an dieser Stelle erwähnt, haben sich die Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren massiv verändert. Die völlige Deregulierung der Arbeitszeitorganisation, die ständig wachsende Arbeitsintensität sowie die immer flexibler werdenden Beschäftigungspraktiken haben dazu geführt, dass die Gesundheit der Schaffenden nicht mehr nur allein durch die direkten Unfallgefahren am Arbeitsplatz gefährdet sind.

Genauso schädlich für die Gesundheit der Schaffenden sind heute die Risikofaktoren Stress, Hetze und Druck, die in den letzten Jahren allesamt derart zugenommen haben, dass inzwischen jeder Dritte befürchtet, seine aktuelle Arbeit aus Gesundheitsgründen nicht bis ins Pensionsalter ausüben zu können. Wie massiv sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert haben, zeigen Studien, die belegen, dass heute jeder Zweite während wenigstens eines Viertels seiner Arbeitszeit unter massivem Zeitdruck steht.

Beschwerden der Schaffenden, die man so nicht kennen kann, wenn man Betriebsbesichtigungen immer nur auf Gespräche auf Direktionsebene beschränkt. Wahrscheinlich eine der Ursachen, wieso vor der rezenten Reform des PAN-Gesetztes in dieser Form kaum über die bestehenden Probleme in den Regierungsparteien – CSV inbegriffen – diskutiert wurde. Wie sonst wäre es zu erklären, dass besagte Parteien der vom Patronat geforderten möglichen Ausweitung der Flexibilisierung der Arbeitsregelung unisono zugestimmt haben.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Dienstag 17. Mai 2016