Unser Leitartikel:
Sieht so Beschäftigungspolitik aus?

Nur wer auf Qualität setzt, wird im internationalen Konkurrenzkampf überleben können. Höchste Qualifikation und die Vermarktung von absoluten Qualitätsprodukten seien heutzutage erfordert, um im Fahrwasser anderer mitschwimmen zu können. Wer nicht mithalten könne, riskiere zu ertrinken. Aussagen, die seit Jahren immer wieder aus Regierungs- und Wirtschaftskreisen zu hören sind.

Eine Entwicklung, die große Gefahren birgt. Besonders für die vielen jungen Menschen, die nach Schulabschluss ohne Ausbildung und fehlende Qualifikation auf den Arbeitsmarkt stoßen. Dass es solche Schulabgänger immer wieder geben wird, egal wie gut oder wie schlecht das Bildungssystem auch sein mag, dürfte außer Frage stehen.

Es muss also eine andere Beschäftigungspolitik her. Denn auch Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, ohne Abitur oder ohne Universitätsstudium steht das Recht zu, ein Leben in Würde führen zu dürfen. Dazu gehören eine Vollzeitbeschäftigung, ein fester Arbeitsvertrag und ein abgesichertes Einkommen. Was heute allerdings immer seltener der Fall ist.

Zumal mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen von der ADEM mit der Anmerkung »schwer zu vermitteln« geführt werden. Entweder, weil es ihnen an der vom Patronat geforderten Qualifikation fehlt, viele über 40 sind und deshalb angeblich nicht mehr allerorts und jederzeit eingesetzt werden können, oder weil sie über gesundheitliche Beschwerden klagen. Laut Verwaltung alles Erwerbslose, denen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz kaum Chancen eingeräumt werden, ins aktive Arbeitsleben (zurück) zu finden. Was auch erklärt, dass die Langzeitarbeitslosen immer zahlreicher werden – nahezu 45 Prozent aller Arbeitslosen sind inzwischen bereits seit mehr als 12 Monate ohne Arbeit, fast jeder Dritte sogar schon länger als zwei Jahre.

Eine Entwicklung, die menschenunwürdig ist. Besonders in einem der reichsten Länder der Welt, das ein Prokopfeinkommen aufweist, das einem jeden problemlos das Recht auf Arbeit sichern müsste.

Im Kapitalismus gelten jedoch andere Gesetze. Dort steht bekanntlich nicht der Mensch, sondern der Profit im Mittelpunkt. Das ist einer der Hauptgründe dafür, das nach CSV und LSAP nun auch die aus DP, LSAP und Grünen bestehende Regierung davon absieht, gezielt in beschäftigungsintensive Betriebe der Klein- und Mittelindustrie zu investieren. Über diesen Weg könnten am ehesten Arbeitsplätze geschaffen werden, die auch Arbeitsuchenden mit nur geringer Qualifikation zugänglich wären. Zumal es ausreichend Wirtschaftsbereiche gibt, die eine solche Beschäftigungspolitik ermöglichen würden. Bestens hierzu eignen würden sich beispielsweise die hierzulande völlig unterentwickelte Holzindustrie sowie der Gemüse- und Obstanbau – mehr als 95 Prozent dieser Produkte werden schließlich importiert.

Sieht man die Zukunft allerdings ausschließlich in der Hochtechnologie, so werden in absehbarer Zeit immer größere Teile der Bevölkerung nicht mehr am aktiven Leben teilhaben können – verschuldet nicht zuletzt auch durch die zahlreichen Defizite im Bildungswesen.

Unter dem von »Gambia« groß angekündigten »Neuanfang« hatten sich die vielen Arbeitsuchenden ganz gewiss etwas anderes vorgestellt.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Dienstag 5. April 2016