Internationaler Frauentag 2016:

Sexismus nervt!

Am gestrigen Internationalen Frauentag fand in der Mittagsstunde in Luxemburg-Stadt ein Marsch gegen Sexismus statt, zu dem eine Plattform aus 21 Organisationen, Parteien und Gewerkschaften aufgerufen hatte. Bei sonnigem Wetter zogen die rund 200 Teilnehmer von der Place d’Armes durch die Straßen der Oberstadt zum Parlament, wo Redebeiträge gehalten und Chamberpräsident Mars di Bartolomeo die politischen Forderungen zum 8. März überreicht wurden.

Das KünstlerInnenkollektiv Richtung22 ging in seinem ironisch gehaltenen Redebeitrag auf sexistische Inhalte in den Medien ein, die wesentlich zu Erhaltung und Festigung des ungleichen Status zwischen den Geschlechtern beitrügen. Als abschreckende Beispiele wurde eine Titelseite der Gratiszeitung »L’essentiel« hochgehalten und aus der Rubrik »Pin-up« auf rtl.lu zitiert. Mit Sprüchen wie »Sexy Chrëschtdag: Dem Oriana seng Kaddoen huet nach keen ausgepak!« werde ein einseitiges Bild von Schönheit, Weiblichkeit und Sexualität reproduziert und würden die fotografierten Menschen zu Sexobjekten degradiert. RTL wurde an den Pressekodex erinnert, in dem jegliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts verurteilt werde, und aufgefordert, die Rubrik »Pin-up« abzuschalten. Unter http://richtung22.org können alle, »die vom Thema genervt sind«, eine Internetpetition »gegen RTL-Sexismus« unterzeichnen. In dem Redebeitrag bekam auch die »sogenannte progressive Regierung, der weniger Frauen angehören als der konservativen Vorgängerregierung«, ihr Fett weg. Der Aktionsplattform Internationaler Frauentag 2016 gehören an: CID/Fraen an Gender, CLAE, Conseil National des Femmes du Luxembourg (CNFL), Genderrot Déi Gréng, Déi Lénk, Entente sans frontières, Europa Donna Luxembourg, Femmes communistes, Femmes en détresse, Femmes socialistes, FNCTTFEL-Landesverband, Foyer Sichem/Fondation Maison de la porte ouverte, Initiativ Liewensufank, Jonk Gréng, LCGB, LGVI, Mouvement démocratique des femmes/Hipatia, OGBL, Planning familial Luxembourg, Rosa Lëtzebuerg, Union des femmes luxembourgeoises.

Im Mittelpunkt der leider nur auf Französisch veröffentlichten politischen Forderungen der Plattform stand das Frauenbild in Schule, Werbung, Medien und auf »der Entscheidungsebene«, das »stereotypfrei, authentisch und pluralistisch« sein solle. So sollten Schulkinder »proaktiv« davon abgehalten werden, die oft über eine Bildersprache vermittelten Stereotype zu übernehmen, Schulen sollten Pläne zur Gleichstellung von Mädchen und Jungen aufstellen, Eltern sollten entsprechende Kurse angeboten werden, stereotype Rollenbilder sollten aus den Unterrichtsmaterialien entfernt werden, die »Geschichte der Frauen« sollte in die Schulprogramme aufgenommen und Autorinnen und Künstlerinnen sollten im Unterricht mehr behandelt werden.

Um sexistische und gewaltbanalisierende Frauenbilder aus der Werbung zu verbannen, soll die Zusammensetzung der Werbeethikkommission CLEP zugunsten der »Verbraucherinnen und Verbraucher, insbesondere von Personen, die in Organisationen aktiv sind, die sich für die Gleichheit zwischen Frauen und Männern einsetzen«, verändert werden. Außerdem solle ein Kontrollorgan für den Bereich Werbung eingerichtet und Organisationen, die sich gegen sexistische Werbung engagieren, sollen »konsequent unterstützt« werden. Der Presserat solle sich darum kümmern, das Frauenbild in den Medien jenseits der Werbung zu verbessern. Sexismus in sogenannten sozialen Netzwerken müsse bekämpft werden und die universitäre Forschung solle sich des Themas annehmen.

In der »Welt der Politik« sollen sämtliche »Entscheidungsebenen« mit mindestens 40 bis 50 Prozent Frauen besetzt werden, in der »Welt der Wirtschaft« sollen hingegen Frauenquoten von 20 bis 50 Prozent genügen. »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit«, die Hauptforderung der proletarischen Frauenbewegung, sucht man auf den vier Seiten vergeblich, es wird lediglich gefordert, in allen Kollektivverträgen Gleichstellungspläne zu verankern, und für Schaffende, die nicht unter einen Kollektivvertrag fallen, entsprechende sektorielle Abkommen zu schließen.

oe

Dienstag 8. März 2016