Pilotprojekt konzertierte Berufsorientierung:

Von der Verlängerung zur Institutionalisierung?

Im dritten Trimester des vergangenen Schuljahres fanden vier staatliche Dienststellen zusammen, um in vier Lyzeen die Information und Orientierung sowie Informationen über die Berufs- und Hochschulwelt zu verbessern. Beglückt wurden in diesem Pilotprojekt rund 980 Schüler im Lycée de Garçons Luxembourg (LGL), im Uelzechtlycée (UELL), im Lycée du Nord (LNW) in Wiltz und im Lycée technique Mathias Adam (LTMA) in Petingen. Einbezogen waren die Klassen 2e, 12e, 9e und vereinzelt auch die 4e.

Aktiv wurden das »Centre de psychologie et d’orientation scolaires« (CEPOS) mit den vier lokalen SPOS-Antennen (Service d’orientation et de psychologie scolaires), der Berufsorientierungsdienst des Arbeitsamts, die »Action locale pour jeunes« (ALJ) und das »Centre de documentation et d’information sur l’enseignement supérieur« (CEDIES). Diese führten zusammen in allen vier Gebäuden jeden Monat zwei Orientierungstage durch, wobei neben Informationsstunden in den bereits darauf vorbereiteten Klassen individuelle Termine mit und ohne Elternbegleitung angeboten wurden. Präsent waren alle vier auch an allen Tagen der offenen Tür und ähnlichen großangelegten Informationsveranstaltungen.

Reagiert wurde auch auf konkrete Anfragen aus den vier Gebäuden. So kam es etwa zu einer berufsbegleitenden Fortbildungsveranstaltung zum sogenannten Bologna-Prozeß der EU und zur Funktionsweise des Arbeitsamtes. Auf Wunsch von 1ères gab es eine Informationsveranstaltung darüber, wie die Einschreibung an der Uni vor sich geht.

Das Interesse an Informationen war größer als erwartet, alle Beteiligten empfanden die Vernetzung als Bereicherung. Das ist der Grund, warum das Pilotprojekt um ein Jahr verlängert wird. Danach wird die neue Regierung entscheiden müssen, ob und wie es weitergeht.

Die beiden beteiligten Minister François Biltgen und Mady Delvaux-Stehres sind sich da übrigens – »ausnahmsweise«, wie die Erziehungsministerin sagte – einig: im Sinne der 2002 ausgesprochenen Empfehlung der OECD soll es zu einer Institutionalisierung kommen, wobei Teilkompetenzen der vier Beteiligten in diese neue Institution hineinkommen sollen, ohne daß diese aber fusioniert werden. Sichergestellt werden soll auf jeden Fall, daß die neue Institution, die lokale Antennen in jedem Lyzeum erhält, mit den vier Dienststellen weiter vernetzt zusammenarbeitet. Dazu wird es Personal und Mittel brauchen, was heute nicht vorhanden ist: eine angedachte Ausdehnung auf mehr Gebäude scheiterte bereits an diesem Mangel.

Das Uelzechtlycée, das nur über eine Unterstufe verfügt, fällt aus eigenem Wunsch aus dem Pilotprojekt heraus und beginnt ein langfristiges Projekt mit dem Berufsorientierungsdienst des Arbeitsamtes, wie das andere bereits getan haben. Ersetzt wird es durch das Robert-Schumann-Lyzeum.

Erkenntnisse

Festgestellt wurde, daß in technischen Lyzeen die Berufswelt im Bewußtsein der Schüler durchaus präsent ist, daß aber zumeist die Hochschulwelt völlig abwesend ist, während es im klassischen Bereich genau umgekehrt ist. Weil Luxemburg aber ganz besonders im technischen Bereich und in der Forschung viel mehr Uniabsolventen braucht, unabhängig von der allgemeinen Feststellung, daß 25% Bac+ nicht ausreichen, ist es von größter Wichtigkeit, diese Lücke zu schließen.

Da niemand wissen kann, wie sich der Arbeitsmarkt im Detail entwickelt, ist es wichtig, daß nicht nur ein Fach studiert wird, sondern sich auch Gedanken darüber gemacht werden, welche Berufswege sich daraus ableiten lassen. Konkretes Beispiel: Luxemburg hat zwar einen Mangel an Mathematik- und Informatikprofessoren, aber ein Überangebot an Sportprofessoren. Wer Sport studiert, sollte sich also überlegen, wozu dieses Studium noch führen kann, falls kein Posten an einer Schule zu ergattern ist. Grundsätzlich gilt es das Bewußtsein zu verbreiten, daß die Chancen am Arbeitsmarkt mit zunehmender Qualifikation steigen – und daß lebenslanges Lernen kein Schlagwort, sondern einfach Realität ist.

jmj

Mittwoch 4. Februar 2009