Israel behindert Hilfe für Gaza

Mindestens 613 Millionen US-Dollar braucht die UNO-Koordination für humanitäre Hilfe (OCHA), um dringende Nothilfe für die 1,5 Millionen Palästinenser im Gazastreifen leisten zu können. Wichtig für den Erfolg der Nothilfe sei ein Waffenstillstand, sagte der Leiter des UNO-Programms, John Holmes, am Montag. »Aber genauso wichtig ist es, daß wir für unsere Hilfsgüter und unser Personal einen freien Zugang erhalten.«

Holmes forderte eine gesicherte Öffnung der Grenzübergänge in den Gazastreifen »auch für kommerzielle Waren.« Die »anhaltende wirtschaftliche Strangulierung« bezeichnete Holmes als »kontraproduktiv.«

Seit Ende des Gazakrieges vor zwei Wochen hat die UNO Israel täglich aufgefordert, die Grenzen zu öffnen, doch ohne Erfolg. Es sei »eine Schande«, so John Ging, der Leiter des UNO-Hilfswerks für die palästinensischen Flüchtlinge im Mittleren Osten, UNRWA. »Tausende Tonnen Hilfsgüter warten an den Grenzen von Gaza, die dringend an die Menschen hier weitergeleitet werden müssen.« Großzügig sei weltweit gespendet worden und es sei gelungen, die Hilfe schnell in die Region zu bringen, so Ging. Die israelische Regierung müsse eine »operationelle Lösung« finden, wie die Grenzübergänge geöffnet werden könnten. Nach Angaben des UNRWA-Vertreters werden täglich nur etwa 100 Lastwagen über die Grenze gelassen. Gebraucht würden aber mindestens 600 Lastwagenlieferungen, damit das Leben in Gaza weitergehen könne. Die Menschen bräuchten alles und außerdem müßten Wasser- und Stromversorgung, Telefonleitungen, Abwasserkanäle, Straßen, Wohnungen und Schulen repariert werden. Israel habe sogar den Transport von Plastiktüten untersagt, mit denen UNRWA tägliche Essensrationen verpacken würde. Und niemand wisse, warum. Fast alle 13.000 Familien in Gaza, die von der Landwirtschaft oder vom Fischfang gelebt hätten, seien jetzt völlig mittellos. Landwirtschaftsbetriebe und Boote, Vieh und Geräte seien völlig zerstört worden.

Manche Laster seien von den Israelis zurückgeschickt worden, berichtet der Fahrer Sorour, vermutlich weil die Verpackung nicht israelischen Sicherheitsstandards entsprach. Selbst wer die Grenze passieren kann, ist mit einem zeitraubenden Umladesystem konfrontiert. In Israel muß die komplette Ladung meist auf neue Laster umgeladen werden, die zur Grenze nach Gaza fahren, wo alles erneut auf palästinensische Transporter umgeladen werden muß. Bei jeder »Sicherheitswarnung«, sei sie berechtigt oder ein Fehlalarm, würden die Grenzübergänge geschlossen und die Hilfsgüter erreichten die Menschen in Gaza nicht, sagt John Ging: »Das nährt natürlich ihr Elend und ihren Zorn«, und beides sei guter Nährboden für Extremismus, von dem er jetzt mehr sehe als vor dem Krieg.

Karin Leukefeld

Mittwoch 4. Februar 2009