Jugend ohne Arbeit – Jugend ohne Zukunft

EU-Programm Bekämpfung ohne Wirkung

In allen Mitgliedstaaten der EU ist die Jugend hart von der Arbeitslosigkeit betroffen. Besonders hart trifft es junge Menschen im Süden Europas. In einigen Ländern hat jeder Zweite keinen Arbeitsplatz. Die von der EU-Kommission mit viel Lärm angekündigte »Jugendgarantie« hat bisher faktisch keine Wirkung gezeigt.

Mehr als 4,7 Millionen Jugendliche in der Europäischen Union sind der Statistikbehörde Eurostat zufolge arbeitslos. Besonders dramatisch ist die Lage in Ländern wie Spanien, Italien oder Griechenland. Ein Überblick:
– Jeder zweite Spanier unter 25 Jahre hat keinen Arbeitsplatz. Anfang 2013 rief die konservative Regierung ein Milliardenprogramm ins Leben, das noch bis Ende 2016 laufen soll. Die 100 Maßnahmen kosten insgesamt 3,5 Milliarden Euro, fast ein Drittel davon kommt aus dem Sozialfonds der EU. Es gibt unter anderem finanzielle Anreize für Firmen bei der Einstellung Jugendlicher und Maßnahmen zur Förderung der Berufsausbildung. Die Jugendarbeitslosenquote sank seit dem Start des Programms lediglich um rund sechs Punkte auf 49,2 Prozent. Allerdings haben viele junge Spanier in den letzten Jahren das Land verlassen.

– In Portugal ist trotz der jüngsten Meldungen über einen »Wirtschaftsaufschwung« immer noch fast jeder dritte Jugendliche arbeitslos. Anfang 2014 wurde das EU-Programm »Jugendgarantie« angeblich umgesetzt. Es ist in Portugal bis Ende 2015 mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro ausgestattet. Bis dahin soll 378.000 Jugendlichen eine Arbeitsstelle, ein Ausbildungsplatz, ein Praktikum (!) oder eine Fortbildungsmöglichkeit angeboten werden. Die Jugendarbeitslosenquote ging seit Inkrafttreten des Programms jedoch nur von mehr als 35 auf zuletzt 29,8 Prozent zurück. Auch aus Portugal wird über eine anhaltende Abwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften berichtet, vor allem in die früheren portugiesischen Kolonien.

– Die italienische Regierung hat kaum spezielle Programme gegen die Jugendarbeitslosigkeit, die zuletzt bei 44,2 Prozent lag. Italien beteiligt sich an dem EU-Programm »Jugendgarantie«. Es wurden insgesamt 1,4 Milliarden Euro aus Mitteln von EU, Land und Regionen dafür zur Verfügung gestellt. Ein Erfolg ist jedoch bislang nicht zu erkennen.

– In Frankreich ist fast jeder vierte Jugendliche ohne Arbeitsplatz. Für die zuletzt mehr als 560.000 Arbeitslosen unter 25 Jahre hat die Regierung spezielle Programme aufgelegt. Nach dem Verlust eines Arbeitsplatzes soll Betroffenen innerhalb von vier Monaten eine qualifizierte Stelle oder die Möglichkeit für Aus- und Weiterbildung oder Praktikum angeboten werden. Gleichzeitig bemüht sich die Regierung, für Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren »Arbeitsplätze mit Zukunftsperspektive« zu schaffen. Das Programm »Emploi d’avenir« richtet sich vor allem an junge Leute, die nicht oder kaum qualifiziert sind. Für sie sollen zusätzliche Möglichkeiten zu Ausbildung und Arbeit entstehen. In den ersten drei Jahren der Beschäftigung zahlt der Staat 75 Prozent des Bruttogehalts für die jungen Leute. Ein Rückgang der Zahlen der jungen Arbeitslosen ist bisher dennoch nicht erkennbar.

– Spezielle Programme zur Bekämpfung Jugendarbeitslosigkeit gibt es in Griechenland so gut wie nicht – mehr als jeder Zweite unter 25 Jahre ist ohne Arbeitsplatz. Im Mai beschloß die EU, daß Staaten wie Griechenland 2015 insgesamt eine Milliarde Euro Soforthilfe bekommen sollen. Durch die jüngst beschlossenen und die bevorstehenden Austeritätsmaßnahmen ist jedoch eher eine Erhöhung der Jugendarbeitslosigkeit zu erwarten. (dpa/ZLV)

Dienstag 11. August 2015