Pressefrühstück am Knuedler:

Der Fluch der bösen Tat

Die Entscheidung, Maximalprofite des Bauträgers Codic SA beim Royal-Hamilius nicht einzuschränken mit einem überdachten zentralen Busbahnhof, hat Folgen: seit 1. Juni gibt es die bequeme Umsteigeplattform anstelle der in den 70ern abgerissenen Aldringer-Primärschule nicht mehr. Statt zuvor 120 Bussen können jetzt nur noch 60 an verschiedenen Straßenecken abgefertigt werden: auf diese Kapazität hin mußte folglich der städtische Busdienst hergerichtet werden. Es muß viel mehr umgestiegen werden als zuvor, und das ist wieder so unbequem wie Anfang der 70er. Die RGTR-Überlandbusse fahren nicht mehr quer durch die Stadt und haben an anderen Ecken Terminus. Und so rennen die Bus-Passagiere jetzt von einem Eck zum anderen, und das kann z.B. vom Bäderplatz bis zur Monterey-Avenue eine ordentliche Strecke sein. Viele beklagen sich, dabei käme es zu manch gefährlicher Situation und sogar zu Rempeleien.

Auch sonst kam es quer durch die Stadt zu neuen Linienführungen und neuen Linien-Nummern. Der Schöffenrat ist richtig glücklich mit dem Ablauf der Umstellung, laut Bürgermeisterin Polfer sei das »ganz gut« gelaufen. Das soll wohl zur veröffentlichten Meinung werden – uns erreichten eigentlich nur negative Kommentare bis hin zur fröhlichen Mitteilung, man fahre nun wieder mit dem Auto, da man nicht bereit sei, viermal umzusteigen.

Immerhin: die für den Busdienst zuständige grüne Schöffin Sam Tanson gibt zu, daß es viele »kritische Kommentare« gab. Die würden gesammelt; am 15. Juli finde eine erste Evaluation statt im Hinblick auf erste »Anpassungen« für September. Es muß sich aber nach der Decke gestreckt werden: sowohl die Zahl der Busse wie die der Fahrer ist begrenzt und es soll nicht mehr als ein Drittel ausgelagert werden.
Ausgemacht sei, daß die Linien 1, 4 und 21 früher am Morgen beginnen, damit das Spitalspersonal wieder mit dem Bus zur Arbeit kann. Auch die Kirchberger Klinik soll besser angefahren werden. Pulvermühle hat jetzt Sonntags keinen Bus mehr: es wird überlegt, die Linie 29 wieder am Sonntag fahren zu lassen.

Beim Ersetzen der Linie 7 durch die 215 sind auch »Anpassungen« versprochen, darunter die, den Terminus vom Meganonnenspital zum Reha-Zentrum zu verlegen, damit dieses wieder vom Bus angefahren wird. Einen höheren Takt verspricht Tanson für die Hollericher Haltestelle bei den Sozialversicherungen und für die Linie 8 vom Belair zur Mamer Europaschule.

Die Leute, die jetzt nicht mehr vorm Bahnhof, sondern auf der Rocade aussteigen müssen und über die Fußgängerbrücke zum Anschlußbus gezwungen sind, haben sich beschwert, daß der Lift zur Bahnhofsseite nicht funktioniert. Er sei jetzt repariert und werde im Herbst durch einen neuen ersetzt, wurde gestern versprochen.

Die Sperrung der Monterey-Avenue zwischen Prinzenring und Bd Royal ist ebenfalls dem Royal-Hamilius zuzuschreiben: dorthin kommt in die Straßenmitte die Einfahrt zur Tiefgarage dieses Luxus-Projekts, vergleichbar mit dem Heine-Parking am Bd de la Pétrusse. Es ist dann eben nur noch Platz für die Durchfahrt der Busse. Das, so die Bürgermeisterin, müsse kein Nachteil für die Autofahrer sein, da die Einfahrt vom Bd Royal in die Rue Notre Dame mit der Tram verschwinde. Es könne sich daher bereits heute daran gewöhnt werden, indem am Bistum vorbei in den Bd Roosevelt gefahren wird.

Das hat nur den kleinen Nachteil, daß die Einfahrt als Linksabbieger in die Av. Marie-Thérèse an der Kreuzung mit der Escher Straße und der Av. Guillaume vom Bd Grande-Duchesse Charlotte her ganz besonders zu Spitzenzeiten quasi unmöglich ist, weil die Linksabbieger in den Bd Joseph II zu weit zurückstauen: das ist eben der zu großen Zahl an Arbeitsplätzen in der Hauptstadt zuzuschreiben, die aber noch weiter wachsen soll.

Wir erlaubten uns die Frage, wie sich der Schöffenrat dann die Verkehrslage vorstellt: »Dann fährt die Tram«, beruhigte sich Sam Tanson selbst. Solch eine Einstellung führt direkt ins Chaos und die Stadt ist bereits auf dem guten Weg dahin!

Schöffenrats-Freuden

Seit vorgestern sind Material und Leute der beim Abbruch des Hamilius beschäftigten Firma, die in Konkurs ging, von einer anderen übernommen, und die Baustelle ist wieder »voll operativ«.

Letzte Woche ging die Ausschreibung für den Ausbau des Knuedler-Parkings raus. Im September erfolgt die Vergabe, im Herbst ist dann Arbeitsbeginn für 4 volle Jahre. Am Ende gibt es dann 751 Plätze, die dann alle 2,5 m breit sind, auch die heute noch 2,3 m breiten im alten Teil. Das sind dann 268 Plätze mehr als heute, wobei ein Teil davon für Dauerparker an in der Altstadt Wohnende geht.

Auf www.topographie.lu gibt es seit gestern ein Sonnen-Kadaster für die 2,7 Mio. m² Dächer der Stadt: es ist möglich, sich dort anzuschauen, wie geeignet das eigene Dach für eine Photovoltaik-Anlage ist, was der Ausbau kostet und was er einbringt mit dem staatlichen Investitionszuschuß von 20% und der Einspeisungsförderung für 15 Jahre. Weil die Gemeinde das auch kriegt, kommt auf die Bonneweger Demy-Schlechter-Schule eine 30 kW-Anlage – das ist das Maximum, das vom Staat gefördert wird.

Am 27. Juni ab 14.30 Uhr beginnt die »TicTac«-Parade auf der Place d’Armes, am 28.6. gibt’s »Rencontres sans frontières« am Boy Konen in Zessingen (Anmeldung bis 22.6.!), und für die Sport-Wochen gibt’s auch noch Restplätze im Angebot – Details dazu auf www.vdl.lu.

jmj

Donnerstag 18. Juni 2015