Unser Leitartikel:
Entschlossener auftreten!

Man muss schon ein dickes Fell haben, um schadlos mit ansehen zu müssen, welchen Leiden das arme Patronat derzeit ausgesetzt ist. Mehrere Male am Tage sind wir den Tränen nahe, wenn wir aus den Direktionsetagen das zunehmende Lamentieren über zu hohe Lohnkosten, ausbleibende Kunden, schwerer werdenden Konkurrenzkampf und leerer werdende Betriebskassen hören. Wir fühlen mit dem so arg gebeutelten Patronat und bedauern in aller Aufrichtigkeit, dass von Seiten der Schaffenden so wenig Solidarität mit den bedauernswerten Unternehmern ausgeübt wird.

In dieser Hinsicht ist es unverständlich, dass im von Krisen so arg erschütterten Luxemburg dem Patronat nicht mehr unter die Arme gegriffen wird. Als »Brotgeber« stünde ihm dies doch zu. Oder nicht? Weshalb die Unternehmer also nicht ganz von Steuern, Mindestlöhnen, Index und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall befreien? Glückwunsch jedenfalls für die Entscheidung, dass der Staat künftig die Kosten übernehmen wird, die bei Kurzarbeit zu Lasten des Patronats waren. Es darf nichts unversucht bleiben, um das Patronat davor zu bewahren, am Hungertuch nagen zu müssen.

Es kann nicht sein, dass in Jahren, in denen die Arbeitsbedingungen sowie die allgemeine Situation aller Schaffenden permanent verbessert wurde, die Vollbeschäftigung abgesichert ist, über Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz kaum Beschwerden aufkommen, die 35-Stundenwoche Realität ist, und die Löhne dank rücksichtsvoller Sozialpartner derart aufgebessert werden konnten, das sich heute kaum noch jemand ernsthaft beschweren könnte, die Damen und Herren Unternehmer ohne eigenes Verschulden an den Rand des Ruins gedrängt werden.

Scheiße, ... wehe dem, der uns da aus unseren Träumen gerissen hat. Zumal die Wirklichkeit eine völlig andere ist. Schließlich befindet sich nach der Finanzkrise, wie von uns vorausgesagt, nun auch die Realwirtschaft in größten Schwierigkeiten und aus den Betrieben mehren sich seit geraumer Zeit die Hiobsbotschaften. Es werden Arbeitsplätze abgebaut, Schaffende zunehmend auf Kurzarbeit gesetzt.

Mit dem Ziel, die Produktivität weiter zu steigern und größere Profite einzufahren, lässt das Patronat den Rotstift wüten. Dies allerdings nicht, um etwa auch die Schaffenden am Gewinn teilhaben zu lassen oder neue Arbeitsplätze zu schaffen. Nein, von den Produktivitätssteigerungen profitieren lediglich die Aktionäre. Hierfür bürgen die hoch bezahlten Manager und deren Handlanger in der Politik. Sie zeichnen den Weg vor, den es auf dem Buckel der Schaffenden einzuhalten gilt.

Dafür zeugen das Bremsen des Patronats bei Lohnfragen, die schlechter werdenden Arbeitsbedingungen sowie die immer aggressiver werdenden Angriffe auf die hart erkämpften sozialen Errungenschaften der Schaffenden. So manches konnte bisher noch abgewehrt werden. Schließlich darf der so hoch gepriesene soziale Frieden nicht in Gefahr geraten. Aber wie lange noch?

Da in Luxemburg immer alles mit Verspätung eintrifft, täte man gut daran, öfters einen Blick ins Ausland zu werfen. Was man dort sieht, verspricht nichts Gutes. Oder besser gesagt noch Schlimmeres, denn dass hierzulande schon mehr als 14.000 auf Arbeitsuche sind und nahezu 7.000 kurzarbeiten müssen – Zahlen, die gestern nach der Sitzung des Konjunkturkomitees genannt wurden – ist schon echt dramatisch. Deshalb muss den Kapitalisten endlich entschlossener entgegengetreten werden.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Freitag 30. Januar 2009