Wirtschaftskrise hält Arbeitsmarkt fest im Griff

Arbeitslosenquote im Dezember bei offiziell fünf Prozent
– Dramatischer Anstieg der Kurzarbeit

Die Wirtschaftskrise hält den Arbeitsmarkt fest im Griff. Im Dezember stieg die Zahl der offiziell registrierten Erwerbslosen mit Wohnsitz im Großherzogtum auf 11.511. Gegenüber dem Vormonat bedeutet dies eine Zunahme um 710 Personen, wie Arbeitsminister François Biltgen am Donnerstag nach der monatlichen Sitzung des Konjunkturkomitees erklärte. Die Arbeitslosenquote stieg somit von 4,7 auf 5,0 Prozent. Der konjunkturelle Rückgang zeigt sich besonders stark beim Anstieg der Kurzarbeit. So genehmigte das Konjunkturkomitee dem Patronat dieses Mal, 6.919 Schaffende auf Kurzarbeit zu setzen. Im Vergleich zum Vormonat ist das ein Anstieg um 2.837 Personen oder 70 Prozent.

Besonders stark von der Kurzarbeit betroffen sei der mit massiven Auftragsrück-gängen konfrontierte Industriesektor – speziell die Zulieferbetriebe für die Autoindustrie. Den dramatischen Anstieg erklärt Biltgen damit, daß mit Goodyear und Dupont de Nemours im Januar auch zwei Großbetriebe Kurzarbeit genehmigt bekamen. Außerdem seien im Dezember nur 53 der insgesamt 100 Anträge akzeptiert worden, im Januar aber 62 von 76.

Während die auf Kurzarbeit gesetzten Beschäftigten und ihre Familien Lohneinbußen von 20 Prozent verkraften müssen, steigt auch die Belastung für den Staatshaushalt. Reichten im September noch 208.000 Euro zur staatlichen Subventionierung der Kurzarbeit, so waren im Oktober bereits 2,2 Millionen Euro nötig. Nach einem neuerlichen Anstieg auf 5,3 Millionen im November, sanken die Ausgaben im Dezember auf 3,5 Millionen Euro, um im Januar auf 8,9 Millionen Euro hochzuschnellen.

»Keine Hiobsbotschaft«

Diese massive Steigerung ist Biltgen zufolge aber auch auf eine Gesetzesänderung zurückzuführen, die rückwirkend am 1. Januar in Kraft trat. Seien vor der Gesetzesänderung im Durchschnitt 854 Euro pro Kurzarbeiter gezahlt worden, so seien es nun 1.286 Euro – also 50 Prozent mehr. Von einer »Hiobsbotschaft Kurzarbeit« will der Arbeitsminister aber nicht sprechen: »Hätten wir statt der 7.000 Kurzarbeiter und der 700 neuen Arbeitslosen 7.000 Neueinschreibungen bei der Adem, würde ich von einer Hiobsbotschaft sprechen.«

Während Biltgen mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in diesem Monat rechnet, hofft Wirtschaftsminister Jeannot Krecké, daß die »diversen Konjunkturprogramme« endlich greifen und er tröstet sich damit, daß sich die Wirtschaftslage »international wesentlich schneller verschlechtert« habe als in Luxemburg. Obwohl die Bilanzsummen und die Resultate »leicht zurückgegangen« seien, so Biltgen, sei im hiesigen Bankensektor bisher noch »kein echter Einbruch zu spüren«. Dem Statec und der Zentralbank zufolge hätten die Banken bisher erst 61 Arbeitsplätze abgebaut.

»Kein großes Problem« erwartet sich Krecké in diesem Jahr von der Inflation. Ab April oder Mai und bis August oder September werde die Inflationsrate wahrscheinlich sogar im negativen Bereich liegen, weil mit einem weiteren Rückgang der Energiepreise zu rechnen sei. Sinkende Preise, so der Wirtschaftsminister, »werden dem einen oder anderen Privathaushalt sicher gefallen«, für die Wirtschaft insgesamt aber sei eine negative Inflationsrate »kein gutes Zeichen«.

In Sachen Indexmanipulation hat Krecké noch einmal klargestellt, daß die nächste Anpassung der Löhne, Gehälter und Renten an die Preisentwicklung im März erfolgen wird. Eigentlich war diese Indextranche bereits im Juli vergangenen Jahres erfallen, doch 2006 hatten Tripartite, Regierung und Parlament eine Indexmanipulation beschlossen, mit der jeder Schaffende um mehr als einen halben Monatslohn betrogen wird. Erst im dritten Trimester 2010 rechnet Krecké mit dem Erfallen einer weiteren Indextranche.

oe

Oliver Wagner : Freitag 30. Januar 2009