Urteil im Prozeß um das Zugunglück bei Zoufftgen:

Haftstrafen für vier CFL-Mitarbeiter

Am Donnerstag erging das Urteil im Strafprozeß um das Zugunglück bei Zoufftgen, das am 11. Oktober 2006 sechs Menschenleben forderte als ein Personenzug der CFL nur wenige Meter hinter der luxemburgischen Grenze mit einem entgegenkommenden französischen Güterzug kollidierte. Unter den Opfern befanden sich beide Lokführer, zwei Menschen wurden schwer und 14 leicht verletzt.

Während der hauptangeklagte Fahrdienstleiter zu vier Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung, verurteilt wurde, erhielt der Zugansager drei Jahre und zehn Monate Haft ohne Bewährung, der Weichensteller ein Jahr auf Bewährung und der Fahrdienstleiter der Frühschicht sechs Monate auf Bewährung. Zudem wurden gegen die vier Angeklagten Geldstrafen zwischen 5.000 und 6.000 Euro ausgesprochen. Die Richter der 16. Strafkammer folgten mit ihren Urteilen weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Den vier CFL-Mitarbeitern aus dem Stellwerk Bettemburg waren grobe Fehler angelastet worden, die zu dem Unglück geführt haben sollen. So soll der Fahrdienstleiter der Spätschicht zu spät zur Arbeit gekommen sein und unvorschriftsmäßig gehandelt haben, als er merkte, daß sich die Fahrtentafel nicht programmieren ließ. Obwohl das Streckensignal auf Rot stand, hatte er dem Zugführer des Personenzuges den schriftlichen Befehl zur Weiterfahrt erteilt, ohne die vorgeschriebenen Überprüfungen durchzuführen.

Auch dem Zugansager wurden grobe Fehler zur Last gelegt, die zur Katastrophe beigetragen haben sollen. So habe er nicht auf die Fahrtentafel geschaut, den Zug zum falschen Zeitpunkt angesagt und beim Schichtwechsel wichtige Informationen nicht weitergegeben. Vor allem aber habe er nicht eingegriffen, als er den die Katastrophe auslösenden Befehl des Fahrdienstleiters gehört habe.

Dem Fahrdienstleiter der Frühschicht wurde vor allem angelastet, daß er entgegen der Dienstvorschriften nicht gewartet hat, bis er abgelöst wurde. Hätte er das Eintreffen seines Kollegen von der Spätschicht abgewartet, hätte er womöglich vor dem herannahenden Güterzug warnen können. Dem Weichensteller warf die Staatsanwaltschaft vor, Sicherheitsüberprüfungen unterlassen und einen Alarm falsch betätigt zu haben. Zudem habe auch er den herannahenden Güterzug auf der Fahrtentafel sehen müssen.

Syprolux bestürzt über hohe Strafen

»Mit Bestürzung und Unverständnis« reagierte noch am Nachmittag die Eisenbahnergewerkschaft Syprolux auf die hohen Strafen. Es bestehe die Gefahr, daß die Urteile »zu einer tiefen Verunsicherung eines ganzen Berufsstandes« führen, heißt es in einer Pressemitteilung. Davon seien nicht nur die CFL, sondern »sämtliche sicherheitsrelevanten Berufssparten« betroffen. Offenbar hätten die Konsequenzen und nicht die Taten »an sich« zu den hohen Strafen geführt.

oe

Oliver Wagner : Freitag 30. Januar 2009