ArcelorMittal verläßt Rußland

Stahlkonzern trennt sich von Betreiber zweier Kohlegruben in Sibirien

ArcelorMittal hat am späten Montagabend den Verkauf seines einzigen Tochterunternehmens in Rußland bekanntgegeben. Der weltgrößte Stahlkonzern trennt sich demnach von Severniy Kuzbas, einem Betreiber von zwei Kohlegruben in Sibirien. Die russische Tageszeitung »Kommersant« berichtete auf ihrer Internetseite, ArcelorMittal habe Severniy Kuzbas im Jahr 2008 für 720 Millionen US-Dollar (nach aktuellem Kurs 621 Millionen Euro) vom Severstal-Konzern des russischen Oligarchen Alexei Mordaschow gekauft, um in der benachbarten Ukraine Stahlwerke des Tochterunternehmens ArcelorMittal Krivoy Rog mit Kokskohle versorgen zu können.

ArcelorMittal habe die beiden sibirischen Kohlegruben in Beresowskaja und in Pjerwomaiskaja aber nicht weiterentwickelt, schreibt die russische Wirtschaftszeitung weiter, weshalb die Jahresproduktion von drei Millionen Tonnen auf fast ein Drittel geschrumpft sei. Noch Ende September habe Haupteigner Lakshmi Mittal auf der Weltstahlkonferenz in Moskau gegenüber »Kommersant« erklärt, ArcelorMittal beabsichtige nicht, sein Kohlegeschäft in Rußland zu verkaufen.

Nun teilte der Branchenprimus mit, Severniy Kuzbas werde komplett vom russischen Kohlehandelsunternehmen National Fuel Company übernommen. Der Kaufpreis wurde nicht mitgeteilt. »Kommersant« zufolge verfügt der Minenbetreiber noch über kommerziell erfaßte Reserven von 156,5 Millionen Tonnen Kokskohle und inklusive noch nicht entwickelter Zonen Reserven von bis zu 300 Millionen Tonnen Kohle.

»Bestes Jahr seit Werksschließung in Schifflingen«

Derweil wurde auf dem Neujahrsempfang für die Luxemburger Presse am Montagabend das »beste Jahr seit der Werksschließung in Schifflingen« besungen. Die großen Werke in Differdingen und Esch-Belval hätten beide 2014 neue Produktionsrekorde aufgestellt, erklärte der für die Aktivitäten von ArcelorMittal in Luxemburg zuständige Alex Nick in seiner Ansprache. Auch im Bissener Werk sei die Drahtproduktion im vergangenen Jahr um zehn Prozent gesteigert worden, und das Werk in Rodange sei nach einer Investition in die Produktion von Tramschienen nun »wieder lebensfähig«.

Nachdem ArcelorMittal im vergangenen Jahr 36 Millionen Euro in die Modernisierung der Luxemburger Werke gesteckt habe, soll das Werk in Belval in diesem Jahr eine neue Maschine für 20 Millionen Euro erhalten, kündigte Nick an. Außerdem würden 40 Facharbeiter wie Elektriker oder Schweißer eingestellt.

Schlechte Zukunftsaussichten prognostizierte der Manager den rund 50 verbliebenen Arbeitern im Werk Bettemburg, das mittlerweile »auf sehr schwachen Beinen« stehe, weil die Nachfrage nach Spezialdraht zum Sägen von Siliziumscheiben für Solaranlagen in Europa »eingebrochen« sei. Auch hinsichtlich des stillgelegten Werks in Schifflingen sei »noch keine Entscheidung gefallen«.

oe

Oliver Wagner : Mittwoch 21. Januar 2015