Erneuerung des Kollektivvertrags bei Luxair

Fortsetzung der Verhandlungen vereinbart

Anfang der Woche hatte der Generaldirektor der Fluggesellschaft Luxair den Gewerkschaften noch »Klassenkampfrhetorik« vorgeworfen und behauptet, das Unternehmen könne nicht nachgeben. Gestern nun willigte die Luxair-Direktion vor dem Schlichtungsamt ein, die Kollektivvertragsverhandlungen mit den Gewerkschaften wieder aufzunehmen.

Am 1. Oktober dieses Jahres hatte die Luxair-Direktion die Beschäftigten und die Gewerkschaften davon in Kenntnis gesetzt, dass sie die zwei Kollektiverträge nicht mehr anwenden werde, nachdem sich die Gewerkschaften und die Personaldelegation zuvor geweigert hatten, dem von der Direktion geforderten massiven Sozialabbau zuzustimmen. Stärkste Fraktion im Betriebsrat ist der OGBL mit elf Sitzen, der LCGB hat neun Sitze, die NGL-SNEP zwei Sitze.

Die Absicht des Unternehmens, das der Belegschaft seit 2008 Null-Verträge aufgedrängt hatte, war es, die Lohntabellen zusammenzustreichen und zu verschlechtern, das 13. Monatsgehalt und die Zahl der Urlaubstage herabzusetzen, die Flugzeiten heraufzusetzen und eine vollständige Flexibilisierung der Arbeitszeit zu erzwingen. Für Neuzugänge sollten die Einschnitte noch drastischer ausfallen.

Vereinbart wurde gestern, dass die zwei Kollektivverträge in Kraft bleiben, und dass sowohl die Luxair-Direktion als auch die Gewerkschaften die Schlichtungsgespräche frühestens am 6. November als gescheitert erklären können, sollte es während der nächsten Wochen zu keiner Einigung kommen. Sollte aber über dieses Datum hinaus verhandelt werden, werden die Kollektivverträge auch weiter gelten. Positiv bewertete die Luxair-Direktion den bereits am Vortag vom OGBL unterbreiteten Vorschlag, den Luxair-Kollektivvertrag verbindlich für den gesamten Sektor zu erklären.

Die Entscheidung, einen Kollektivvertrag eines einzelnen Betriebs zu einem Branchenkollektivvertrag zu erklären, fällt in die Kompetenz des nationalen Schlichtungsamtes.

Ein solcher Schritt würde auch bedeuten, dass Konkurrenten von Luxair, die auf Sozialdumping zurückgreifen wollten, um bei der im kommenden Jahr anstehenden Ausschreibung von Bodendienstleistungen wie Catering, Gepäckhandling oder Flugzeugreinigung zu punkten, wegen des Branchenkollektivvertrags, ausgeschaltet würden.

Ein Branchenkollektivvertrag ist in diesem Fall nicht nur im Sinne aller Beschäftigten der Bodenabfertigung im Passagier- und Frachtbereich, sondern auch der Fluggesellschaft, die wegen der von der EU beschlossenen Liberalisierung im Flugbereich, die im Interesse der großen Konzerne ist, vor riesigen Herausforderungen steht.

Allerdings muss erwartet werden, dass sich die gestern beschlossene Fortführung der Verhandlungen schwierig gestalten dürften, sollten die von der Luxair-Direktion angekündigten Sparmaßnahmen in Höhe von 7,5 Millionen Euro sich auf Sozialabbau reimen.

A.R.

Ali Ruckert : Freitag 10. Oktober 2014