LCGB bittet Personal, »Dienst nach Vorschrift« zu machen

Konflikt bei Cargolux spitzt sich zu

Gestern verkündete Aloyse Kapweiler, Transport-Gewerkschaftssekretär des christlichen Gewerkschaftsbundes, daß die Direktion von Cargolux ein von seiner Gewerkschaft vorgelegtes »Memorandum of Understanding« bezüglich der anstehenden »Restrukturierungsmaßnahmen« und einer damit verbundenen Beschäftigungsgarantie nicht beachtet habe.

Jahrelang hätte beim Personal der »Spirit of Cargolux« gelebt, indem Mehrarbeit über das kollektivvertraglich vereinbarte Hinaus zum Wohl des Unternehmens gerne gemacht worden sei, so Kapweiler. Auch die 300 Millionen-Euro-Strafe, verschuldet durch Fehler im Management, sei vom Personal abgefedert worden. Doch die Stimmung sei zuletzt immer schlechter geworden. Das Faß zum Überlaufen habe dann die Verlegung eines zweiten Fliegers nach Italien zur dortigen Cargolux-Tochter gebracht. Daran könne man sehen, daß man es hier mit klassischem Outsourcing zu tun habe, welches sich nach und nach auf weitere Bereiche des Standortes Luxemburg ausdehnen werde. »Am Ende haben wir in Luxemburg nur noch einen Briefkasten«, so Kapweiler. Die Auslagerung der ersten Maschine nach Italien habe man als LCGB 2009 noch mitgetragen, weil luxemburgisches Personal im Einsatz gewesen sei. Allerdings wollte das italienische Gesetz, daß die luxemburgischen Crews durch italienische ersetzt werden.

Der LCGB habe nun der Pilotenvereinigung ALPL mit ihren 460 Piloten die Führungsrolle für die Beschäftigten bei Cargolux übertragen und zu einem »Dienst nach Vorschrift« aufgerufen, denn die Direktion habe sich regelrecht daran gewöhnt, den Betrieb mit Mehrarbeit zu gestalten und kommt beispielsweise mit weniger Crews aus, um den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten. Dieser »Entzug des guten Willens« soll eine erste Warnung sein.

Wenn am kommenden Dienstag beide Seiten für ein erstes informelles Gespräch im Vorfeld der Kollektivvertragsverhandlungen zusammen kommen, dürfte es spannend werden.

Cargolux-Generaldirektor Dirk Reich durfte gestern auf einer ganzen Seite im Bi­stumsblatt den Fehdehandschuh schwingen, daß er das angebotene »Agreement« für ein »Druckmittel« halte und daß am Dienstag bezüglich einer Beschäftigungsgarantie ein »Gegenangebot« auf den Tisch kommen soll. Darin als Schlüsselposition enthalten sein werde vor allem Mehrarbeit der Beschäftigten als ein Mittel zu Einsparungen.

Sicherheitsdelegierte Astrid Mosch und ALPL-Vertreter Michael Kaiser berichteten von der schlechten Stimmung beim Bodenpersonal und bei den Piloten, welche sich enorm zugespitzt habe und mit der Verlegung eines zweiten Fliegers zu Cargolux Italia einen Höhepunkt erreicht habe. Mosch erklärte, die Leute würden aus Angst vor Entlassungen noch immer bereit sein, Mehrarbeit zu lei­sten.

Kapweiler erklärte, der »Dienst nach Vorschrift« werde solange laufen, bis eine Übereinkunft bezüglich der Arbeitsplatzgarantie unterzeichnet werde und appellierte in der gewohnten Manier der christlichen Gewerkschaft an den »Luxemburger Sozialdialog«, sowie die Regierung, als Mehrheitseigner endlich einzuschreiten. Er stellte fest: »Wir sind hier doch in Europa«.

Daß die gläubigen Anhänger der Sozialpartnerschaft sehr bald hart auf dem Boden der Realität landen dürften, steht zu befürchten. Es brennt an allen Fronten.

CK

Christoph Kühnemund : Freitag 26. September 2014