Luxair-Konflikt

Es riecht nach Streik

Gestern informierten die bei Luxair aktiven Gewerkschaften OGBL, LCGB und NGL-Snep in Sandweiler in vier Informationsveranstaltungen das Personal über die aktuelle Situation in der Auseinandersetzung zwischen Gewerkschaften und Direktion. Letztere verweigert sich konsequent jeglichen Verhandlungen, wie zuletzt am 19. September, als sich beide Parteien bereits nach kurzer Zeit ergebnislos trennten.

Abbau sozialer Errungenschaften

Das Patronat hatte nämlich nun, um in Richtung der anvisierten 7,5 Millionen Euro Einsparungen zu kommen, plötzlich die aktuelle Lohnstruktur, die Lohntabellen, sowie das 13. Monatsgehalt ins Visier genommen, welches auf das Grundgehalt gesenkt werden, beziehungsweise für Neueinstellungen komplett gestrichen werden soll. Die Lohntabelle sähe für Neueinstellungen nur noch drei Stufen vor, in denen man nur noch nach einem positiven Abschneiden in einem einzuführenden Bewertungssystem aufsteigen kann.

Zudem soll eine Referenzperiode eingeführt werden, nach der alle in diesem Zeitraum absolvierten Überstunden nicht mehr als solche betrachtet werden und im Lauf desselben Jahres abgebaut werden können. OGBL-Sekretär Hubert Hollerich sprach von einer gefährlichen Flexibilisierung. Darüberhinaus sollen die bezahlten 15- und 30-Minuten-Pausen abgeschafft, die Flugzeiten für die Crews verlängert und gleichzeitig der Urlaub gekürzt werden.

Der laufende Kollektivvertrag endet am kommenden 1. Oktober, und ab dem 6. November kann eine der beiden Streitparteien die Schlichtung als gescheitert erklären. Bis zur Unterzeichnung einer Nichteinigung bleibt dieser allerdings in Kraft.

Es gebe nun zwei Möglichkeiten, so Aloyse Kapweiler vom LCGB: Entweder es kommt zu einer Einigung in den Hauptforderungen der Gewerkschaften, die bisher erreichten sozialen Errungenschaften nicht anzutasten, oder es wird wohl erstmals in der Luxair-Geschichte ein Streik stattfinden. Im letzteren Fall würde dann ein Streikkomitee gebildet, welches einen Forderungskatalog aufstellt und Streikaktionen vorbereitet.

Im Anschluß stellten viele der anwesenden Fragen zum Ablauf eines solchen Streiks und zu den Möglichkeiten, die das Unternehmen gegen sie in der Hand hätte. Manche erklärten, es sei doch nicht ihr Problem, wenn Neueinstellungen schlechtere Konditionen bekämen. Hollerich erklärte dazu, daß die Akzeptanz dieser patronalen Forderungen doch nur die Spitze eines völligen Sozialabbaus im Betrieb sei, und die nächsten Verschlechterungen nicht auf sich warten ließen. Die Angst geht um, doch eines ist allen klar: Diese offene soziale Kriegserklärung des Patronats wollen sie nicht einfach hinnehmen.

CK

Christoph Kühnemund : Mittwoch 24. September 2014