Auf jeden Fall ein Gewinn für die Gerätehersteller:

Neue Strom- und Gaszähler, niedrigere Verbrauchsspitzen?

Mit Gesetz vom 7. Juli 2012 wurde in Luxemburg eine EU-Direktive übereifrig umgesetzt, die sogenannte »intelligente« Zähler für Verbrauch wie für die Einspeisung von dezentral erzeugter Energie (Wind, Photovoltaik, Biogas) vorschreibt. Die Zähler sollen in Echtzeit messen und die Informationen an eine Zentrale weitergeben. Damit soll es leichter sein, Verbrauch und Erzeugung im Netz im Gleichgewicht zu haben.

Wirklich vorteilhaft wird das erst, wenn der Verbrauch an die Erzeugung anpaßbar wird und so Verbrauchsspitzen entfallen: Spitzenstrom ist besonders teuer, weil er eine aufwendige Infrastruktur voraussetzt – das Pumpspeicherkraftwerk Vianden ist ein gutes Beispiel dafür.

Wer ab Juli 2015 einen neuen Zähler kriegt, hat keine Wahl: es setzt einen der neuen Zähler unter dem Namen »Smart Meter«. Und dann werden bestehende Zähler ausgetauscht: bis 31.12.2018 sollen 95% aller Stromzähler und bis 31.12.2020 95% aller Gaszähler ausgetauscht sein. Ablehnen ist nicht vorgesehen: die »smarten« Zähler sind gesetzlich verpflichtend. Befehl ist Befehl, auch wenn der EU 80% gereicht hätten!

Das schöne englische Wort »smart« hat viele Bedeutungen: intelligent, tüchtig, geschickt, modisch, aber auch schlau, listig oder gar gerissen.

Und tatsächlich: auch wenn der Einbau zumindest für den Austausch kostenlos ist, wird es Preissteigerungen im Anschluß geben bei der Zählermiete und beim Netzentgelt. Das wird bei unverändertem Verbrauchsprofil die Energiekosten um 1,5% in die Höhe schrauben, wenn wir den Anzeigen vom GIE Luxmetering, dessen Internetauftritt immer wieder unerreichbar ist, Glauben schenken dürfen.

Zumindest sollen die Zähler in Luxemburg keine zusätzliche Strahlenquelle werden. Das hat in Quebec und anderen Teilen Kanadas zu größerem Wirbel geführt. Der Datenfluß wird in Luxemburg über die Stromleitungen zum nächsten Transformator gehen. Von dort ist dann für die Weiterleitung zu einem der zwei nationalen Sammelzentren alles möglich vom Kabel bis zum mobilen Internet. Der Gaszähler wird die Daten mit Kabel zum Stromzähler führen, wo sie dann mit weitergegeben werden.

Yves Reckinger von Creos, mit dem wir uns darüber unterhielten, sprach auch noch von der Möglichkeit, dies mit »Funk in der Intensität eines Garagenöffners« zu tun, was dem Schreiber dieser Zeilen aber verbindlich unsympathisch wäre: ein Garagenöffner betätigt sich nicht selbsttätig jede Stunde! Nun ist aber zumindest aktuell geplant, daß der Gasverbrauch stündlich, der Stromverbrauch viertelstündlich weitergegeben wird. Es ist also zu hoffen, daß die Haushalte und Betriebe zumindest auf Kabel statt Funk bestehen dürfen.

Geplant ist zur Zeit auch noch, daß die Daten 15 Jahre aufbewahrt werden. Dagegen wendet sich übrigens die Nationale Kommission für den Datenschutz, denn das ließe exakte Profile über die Gewohnheiten der Nutzer zu. Details über eine so lange Zeit ganz besonders beim Stromverbrauch verraten nicht nur die ungefähre Zahl der Bewohner in einem Haushalt, sondern auch wann sie anwesend bzw. wach sind oder wann sie schlafen.

Es droht also der gläserne Bürger auch hier, jenseits von Spitzeldienst und NSA, wenn die Daten nicht nach einer bestimmten Frist nur noch als Monatsgesamtverbrauch geführt werden: die Umwandlung müßte automatisch nach 6 oder spätestens 12 Monaten vorgenommen werden, so es nicht zu einem Streit über die Rechnungshöhe kommt, bei dem Details des Verbrauchs noch wichtig sein könnten.

Ob es ein Vorteil ist, keine gleichbleibenden Vorauszahlungen gefolgt von einer Jahresabrechnung zu haben, sondern monatlich den exakten Verbrauch zu bezahlen, muß jeder Haushalt oder Betrieb für sich beurteilen. Fakt ist, es wird durchschnittlich um mindestens 1,5% teurer, wenn das Verbrauchsverhalten nicht an die Preisschwankungen über den Tag angepaßt wird.

Da es mit der Liberalisierung zu einer Trennung zwischen Netzbetreiber und Lieferanten gekommen ist, wird kaum am Zähler der jeweils aktuelle Preis angezeigt. Das wird wahrscheinlich über Internet oder Apps erfolgen (hoffentlich über beides, denn sonst ist das der Zwang zum Smartphone).

Wer also sparen will, muß z.B. die Waschmaschine dann einschalten, wenn der Stromlieferant gerade einen Produktionsüberhang hat und deswegen den Preis senkt. Was wohl bei der Waschmaschine noch geht, wird beim Staubsaugen (um 2 Uhr früh?) oder beim Essenkochen schwierig bis unmöglich.

Nachdem laut der EU-Energieeffizienzdirektive jedes ab 2020 gebaute Haus mehr Energie erzeugen soll als es verbraucht, empfiehlt sich regelrecht die Abkoppelung vom Stromnetz und die Speicherung der selbsterzeugten Energie für den Eigenverbrauch, um die alte Bequemlichkeit aufrecht zu erhalten, ohne finanziell gestraft zu werden. Das ist heute technisch möglich, ist aber nicht erwünscht von Seiten großer wie kleiner Energiefirmen, die ihre Verbraucher im Netz gefangen halten wollen. Wobei der Abschied vom Gasnetz (z.B. mit einer Holzheizung) einfacher ist als vom Stromnetz!

jmj

Donnerstag 28. August 2014