Fußball in Luxemburg

Wem nützt solches Verhalten?

Wer sich regelmäßig mit dem Fußball und seinen Fanszenen in unseren Nachbarländern beschäftigt, weiß, welches Niveau die Sicherheitsdebatte dort mittlerweile erreicht hat. In Frankreich bekommt man etwa vielerorts kein Gäste-Ticket, wenn man nicht im Ausweis die entsprechende Region stehen hat, in Deutschland wird aktuell wieder über den Nutzen von viel oder wenig Polizei rund um die Stadien diskutiert. Dazu kommen Ganzkörperdurchsuchungen, Alkoholverbote und Einschränkungen der persönlichen Freiheiten der Fußballanhänger überall.

Viele Ultragruppen werden vom Mainstream per se als marodierende Gewalttäter dargestellt. Einige schaffen es in der Tat nicht, sich eindeutig zu positionieren, aber die meisten richten ihr Augenmerk auf die auch vom Fernsehen geschätzten farbenfrohen Choreografien und stimmungsvollen Gesänge, die diesem Sport eine besondere Atmosphäre verleihen.

Auch übernehmen die Gruppen in diesem Zusammenhang eine wichtige gesellschaftliche Funktion in Zeiten, wo Sozialarbeiter und Jugendzentren der Austerität unterworfen werden: Sie binden Jugendliche in ihre Hierarchien ein und lassen sie Aufgaben und Verantwortung übernehmen, etwa wenn es darum geht, Fahnen herzustellen, vertrauensvoll mit Geld umzugehen und Fahrten zu Auswärtsspielen zu organisieren.

Diese Gruppen sind es allerdings meist, die eine überbordende Kommerzialisierung anprangern und Traditionen pflegen. Von Stadionumbenennungen zugunsten zahlungskräftiger Unternehmen bis hin zu eigens als Werbeträger gegründeten »Vereinen« wie RB Leipzig, des Aufputsch-Brausemilliardärs Dietrich Mateschitz, werden zweifelhafte Entwicklungen »ihres« Sports regelmäßig von den Fans in der Kurve auf Spruchbändern oder in Gesängen kommentiert.

Aus diesem Grund sind diese Gruppen immer häufiger im Visier der zuständigen Behörden, weil sie unbequem sind und sich nicht mit Bademänteln im Vereinslook oder Chats mit den »Stars« im Internet abspeisen lassen. Sie wollen als Teil ihres Vereins respektiert werden und nicht als Kunde. Viele Fangruppen haben auch innere Verhaltensregeln und sind bis zu einem gewissen Punkt zur Zusammenarbeit mit den Klubs und Autoritäten bereit, wenn dafür ihre Freiheiten nicht, oftmals flankiert mit reißerischen und oberflächlichen Medienbeiträgen, weiter beschnitten werden.

Auch in Luxemburg wächst die Fanszene ligenübergreifend, wenn auch in einem anderen Maßstab als in den Nachbarländern. Viele schätzen hier, was jenseits der Mosel nicht mehr selbstverständlich ist: Ein kühles, echtes Bier beim Spiel, Nähe zu den Akteuren auf dem Platz und ein sportliches Miteinander, wo die Rivalität spätestens mit Abpfiff in besonnene Bahnen gelenkt wird.

Bärendienst

Was sich am vergangenen Freitag im Anschluß an das Spiel der Nationaldivision zwischen der Jeunesse Esch und dem CS Grevenmacher ereignet hat, ist ein Eigentor und ein Bärendienst für die Entwicklung einer kritischen und farbenfrohen Fanszene, wie wir sie in Luxemburg gerne sehen möchten. Denn sollten solche Szenen wie auf der »Grenz« und zuvor auch schon »Op Flohr«, zur Gewohnheit werden, dürften sich auch hiesige Fußballfans immer häufiger mit Kontrollen oder Verboten im und ums Stadion konfrontiert sehen. Eine Rivalität ist absolut verständlich und auf beiden Seiten gibt es leider Potential für solchen Unsinn, wie am Freitag geschehen ist. Dennoch wäre es besser für alle Fans im Land, wenn die Energie in akustische wie optische Anfeuerung der Mannschaften investiert würde.

CK

Christoph Kühnemund : Dienstag 26. August 2014