Aus dem Differdinger Gemeinderat

Weniger als die Hälfte der Kinder werden in Tagestätten betreut

In der Gemeinde Differdingen werden deutlich weniger als die Hälfte aller Kinder in einer kommunalen Kindertagesstätte (»Maison Relais«) betreut. Fast müßte man zur Schlußfolgerung kommen, dass die Kinder, die von den Kindertagestätten ausgeschlossen bleiben, »schlechte Karten für das Leben haben«, stellte der kommunistische Rat Ali Ruckert in der Gemeinderatssitzung vom 23. Juli 2014 statt. Er bedankte sich bei allen, die im Bereich der Kinderbetreuung tätig sind und zitierte aus der Arbeitsgrundlage für die »Maisons Relais« in Differdingen, in welcher es heißt, dass die Kindertagesstätten »sich als Bildungseinrichtung verstehen, welche die Kinder vom ersten bis zum letzten Tag in ihrer Entwicklung und Persönlichkeitsentfaltung optimal fördert und unterstützt«.

KPL-Rat: »Selektionskriterien werden Bedürfnissen nicht gerecht«

Der Vertreter der KPL, der meinte, es gehe nicht nur um »Betreuung und Fütterung« lobte die Arbeitsgrundlage ausdrücklich, fragte aber auch, wie das denn mit den Selektionskriterien zu vereinbaren sei, welche bewirken, dass ein großer Teil der Kinder wegen der knapp bemessenen Plätze in den Kindertagesstätten außen vor bleiben. Auch der grüne Rat Fränz Schwachtgen hatte auf die Diskrepanz zwischen der Gesamtzahl der Kinder in der Grundschule und dem Anteil von Kindern in Tagesstätten hingewiesen.

Für das neue Schuljahr 2014/15 sind 1.222 Kinder in den Tagestätten in Differdingen, Fousbann, Niederkorn, Oberkorn und Woiwer eingeschrieben, womit die bestehenden Kapazitäten praktisch ausgeschöpft sind. Geplant ist kurzfristig eine weitere Kindertagestätte in Lasauvage. Das Bedürfnis sei aber deutlich größer, meinte der kommunistische Rat. Daß es, mit Ausnahme von Oberkorn, keine Warteliste gibt, erklärte der Rat der KPL damit, dass viele Eltern wegen der Selektionskriterien auf Alternativen zurückgreifen, die nicht unbedingt besser sind als die Kindertagesstätten. In diesem Zusammenhang wies Ali Ruckert auch darauf hin, dass Differdinger Grundschüler statistisch erheblich schlechter abschneiden als der Landesdurchschnitt.

Kinder aus Familien mit nur einem Elternteil, einem Elternteil, der schwer krank ist, sozial schwachen Familien und Familien, in denen die Eltern alle beide arbeiten, haben Priorität bei der Aufnahme in die Kindertagesstätte. Wie aber steht es, wenn beide Eltern arbeiten, und einer der beiden arbeitslos wird, fragte der kommunistische Rat. Ihm war zu Ohren gekommen, dass in einer anderen Südgemeinde einem Kind, dessen Eltern arbeiteten und dessen Vater dann arbeitslos wurde, für das neue Schuljahr kein Platz mehr in der Tagestätte zustand. Schöffe Georges Liesch (Déi Gréng) zufolge wende man die Selektionskriterien in Differdingen nicht stur an, sondern versuche immer, eine menschliche Lösung zu finden, gerade auch im Fall, da ein Elternteil arbeitslos wird.

Die Organisation der Kindertagesstätten wurde schließlich einstimmig angenommen, nicht ohne dass der KPL-Rat noch einmal auf den Widerspruch aufmerksam gemacht hatte, dass Regierung und Chamber zwar Gesetze für die Kinderbetreuung beschließen, dann aber die Kommunen mit den finanziellen Belastungen weitgehend allein lassen. Einstimmig angenommen wurden eine ganze Reihe Akten und Konventionen, darunter eine Konvention mit dem Staat, welcher der Gemeinde in der Industriezone »Hahneboesch« für 50 Jahre insgesamt 4,13 Hektar für 2,3 Millionen Euro überlässt.

Angenommen wurde auch eine Konvention mit der »Waldorfschule«, der ein Schulcontainer neben dem Gebäude der Grundschule in Oberkorn vermietet wird. Als einziger stimmte KPL-Rat Ali Ruckert gegen die Konvention mit der Privatschule. Er hielt ein Plädoyer für die öffentliche Schule, während der Rat von Déi Lénk, Gary Diederich, die Privatschule über den grünen Klee lobte.

Einstimmig angenommen wurde ein Kostenvoranschlag in Höhe von 215.500 Euro für die Renovierung der Leichenhalle auf dem Friedhof in Differdingen. Auf Anfrage des KPL-Rats informierte Schöffe Tom Ulveling (CSV), dass der Bau einer Rampe für Rollstuhlfahrer vor der Leichenhalle wegen des steilen Gefälles nicht möglich ist. Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer werden die Leichenhalle daher auch in Zukunft nur über einen Seitenweg erreichen können.

Eingangs der Sitzung hatte Bürgermeister Traversini mitgeteilt, dass in die bisherigen Räumlichkeiten der »Ecole Professionnelle de Differdange – Centre de formation ArcelorMittal« (»Léierbud«), welche vom Stahlkonzern abgeschrieben wurde, ein »Centre d’orientation socio-professionnel« kommen soll. Der Arbeitsminister habe seine Zustimmung gegeben. In einem weiteren Teil des Gebäudes könnte das »Centre national des langues« untergebracht werden. Verhandlungen mit dem Unterrichtsministerium laufen noch.

Nik.

Freitag 25. Juli 2014