Arbeitslosigkeit stieg in einem Jahr um 17 Prozent

Während die LSAP in der Person von John Castegnaro dabei ist, die
Direktorin der Adem mit schärfstem Geschütz zu torpedieren und deren
Rücktritt zu fordern, seine Partei es allerdings wie seit jeher
unterlässt, sich mit gleicher Vehemenz mit dem eigentlichen Problem
auseinander zu setzen – also auch mit dem Patronat – und sich an die
Wurzeln allen Übels heranzutrauen, wird die Situation auf dem
Arbeitsmarkt immer dramatischer. Und zwar in einem Ausmaß, dass im
vorigen Monat, wie Radio 100,7 gestern morgen zu melden wusste, rund 700 weitere Arbeitsuchende gezwungen waren, sich bei der Adem einzuschreiben.

Dem Konjunkturkomitee, das am 29. Januar 2009 zusammentreffen wird, wird kommende Woche somit die unrühmliche Aufgabe obliegen, gleich mehrere Rekorde zu publizieren, auf die man liebend gerne verzichten würde. Ein erster trauriger Rekord wird darin bestehen, dass zum Jahreswechsel 11.500 Arbeitslose eingeschrieben waren, von denen allerdings nur rund die Hälfte Arbeitslosengeld bezieht. Im Vergleich zu den 9.815 Arbeitslosen im Dezember 2007, stieg die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres also um 17%. Hatte die CSV den Schaffenden vor den letzten Parlamentswahlen nicht den »sicheren Weg« versprochen? Und die LSAP nicht angekündigt, »mit anzupacken«?
Nun, die Bilanz der beiden Regierungsparteien ist erschreckend. Denn
seit den Wahlen im Jahr 2004 stieg die Zahl der Arbeitslosen von 7.800
um rund 47% auf 11.500 an. Rechnet man die nahezu 3.000 Frauen und
Männer hinzu, die befristet in Beschäftigungsmaßnahmen eingebunden sind, so sind derzeit rund 14.500 Menschen im reichen Luxemburg auf
Arbeitsuche. Tendenz: weiter steigend.

Denn sowohl das Statec wie auch die OECD sagten beide bis Ende 2010 eine massive Steigerung der Arbeitslosigkeit voraus. Bis zu 50 Prozent mehr Arbeitslose – also um die 15.000 – könnte Luxemburg in zwei Jahren zählen. Die Arbeitsuchenden in Beschäftigungsmaßnahmen nicht mit einberechnet.

Trotz dieser Horrorvisionen wird weiter abgebaut. Und dies nicht allein
im von der Finanzkrise betroffenen Bankensektor. Nein, auch in anderen
Sektoren wird der Rotstift wüten. Erinnert sei beispielsweise in dieser
Hinsicht an das Abkommen Lux2011, das festhält, in den nächsten Jahren in der Stahlindustrie bis zu 650 Posten in der Produktion abzubauen.

Rechnet man die 400 hinzu, die in der Verwaltung gestrichen werden, so wird die Gehaltsliste bei ArcelorMittal in nächster Zukunft mächtig
schrumpfen. Weitere Unternehmen haben bereits die Streichung von
Arbeitsposten – wenn auch in einem geringeren Maße – angekündigt, andere liebäugeln noch damit.

Darüber hinaus gibt es sicherlich so manch andere Firmen, denen die
Krise sehr gelegen kommt und als Vorwand genutzt werden dürfte, um sich aus reiner Profitgier über diesen Weg eines Teils der Mitarbeiter zu
entledigen. Und zwar nach altbewährtem Muster: Schlechte Konjunktur und zunehmende Konkurrenzschwierigkeiten werden zum Vorwand genommen, um die Produktion in einer ersten Phase zurückzufahren. Eine Periode, die eine Zeitlang mit Kurzarbeit überbrückt werden dürfte, zumal der Staat ja beschloss, während eines Jahres die Kosten für die Schichten, die bei Kurzarbeit zu Lasten des Patronats gingen, zu übernehmen. Trotz dieser Hilfen wird, nach längerem Lamentieren dann letztendlich doch kein Weg an einem Postenabbau vorbeiführen. Wobei dann von den Vertretern des Salariats anfangs mächtig geschrieen wird, am Ende die Schaffenden dann doch wieder die Gelackmeierten sein werden.

Bis zu den Wahlen sind es noch nahezu viereinhalb Monate. Bis dahin wird noch die eine oder andere Hiobsbotschaft aus den Betrieben zu erwarten sein. Anzunehmen ist jedoch, dass es den großen Knall erst nach den Wahlen geben wird. Nachdem alle Wahlversprechen wieder in der berühmten Sublade verstaut wurden.

g.s.

Gilbert Simonelli : Samstag 24. Januar 2009