www.seelbunn.lu

Das Stadtzentrum entlasten – durch die Luft!

Vom Hauptbahnhof bis zur Av. Kennedy hinter der Place de l’Europe am Kirchberg sind es Luftlinie 2.350 Meter. Kürzer als eine gerade Linie zwischen zwei Punkten kann eine Strecke nicht werden – und das geht natürlich nur durch die Luft. Die Ingenieure Georges Feltz und Mathias Foehr schlagen nun vor, sich das mit einer Seilbahn zu Nutze zu machen und auf diese Weise das Stadtzentrum zu entlasten von jenen, die gar nicht dorthin, sondern auf den Kirchberg wollen.

Billiger und schneller als der Bus

Die heute zwischen Hauptbahnhof und Kirchberg verkehrenden Busse haben zur Hauptverkehrszeit eine Kapazität von 4.400 Passagieren. Laut Fahrplan brauchen sie für die in Frage stehende Strecke 12 Minuten – bei Verspätungen eingestandenermaßen länger. Laut Gesetzesprojekt soll die Tram 13 Minuten brauchen – wenn es keine Verspätungen gibt. Die Frage der Verspätung stellt sich bei einer Seilbahn nicht, da sie nicht in Konkurrenz mit anderen Fahrzeugen geraten kann und auch nicht an Kreuzungen zu warten hat bei Rotlicht. Sie bräuchte 8 Minuten für die 2.350 Meter. Bei 50 Gondeln zu 35 Passagieren können 5.000 Leute transportiert werden.

Klar, danach braucht es am Kirchberg Busse zur Feinverteilung. Es wird aber deutlich weniger Busse übers Zentrum zum Kirchberg brauchen: die Oberstadt wird dadurch entlastet, und es kommt zu einer Einsparung im Busdienst, den frühere Leiter des städtischen Busdienstes Georges Feltz mit 5 Millionen im Jahr höher einschätzt als die Betriebskosten der Seilbahn, die einschließlich der 25 Leute Betriebspersonal auf 3,5 Millionen im Jahr geschätzt werden bei einer Betriebszeit von 6 bis 22 Uhr.

Wer’s nicht glaubt und auch Probleme mit den von Feltz und Foehr errechneten Baukosten zwischen 35 und 40 Millionen hat, kann sich die Seilbahn in Koblenz anschauen, die zunächst nur für drei Jahre Bundesgartenschau geplant war, deren Betriebszeit mittlerweile aber auf 10 Jahre verlängert wurde. Wird gleich wie in Koblenz gebaut (also nicht auf Luxus, sondern auf Wirtschaftlichkeit Bedacht genommen), kommt es wie folgt zu 35 Millionen Kosten:

– Antriebsstation: 5 Millionen

– Umkehrstation: 4 Millionen

– 5 Fachwerk-Stützen à 2,5 Millionen macht 12,5 Millionen

– 5.000 m Seil zu 1.000 €/m macht 5 Millionen

– 50 Kabinen zu 170.000 € das Stück macht 8,5 Millionen
Die Bauzeit belief sich in Koblenz auf 18 Monate. Unter Berücksichtigung des Kollektivurlaubs in Luxemburg sollte es sich demnach in zwei Jahren auf jeden Fall ausgehen, wobei während der Bauzeit keine innerstädtische Belästigung anfällt, außer in eingeschränkter Weise am nördlichen Ende des Hauptbahnhofs. Das ist also ein weiterer Vorteil dieses Seilbahn-Vorschlags: das Verkehrsmittel könnte rasch zur Verfügung stehen und schnell zu einer Entspannung in der innerstädtischen Mobilitätslage führen.

Es wäre obendrein deutlich sichtbar und touristisch nutzbar – eventuell sogar mit einem Sonderprogramm in der dunklen Nacht, wenn die Sicht aus der Gondel noch attraktiver ist auf die Stadt und ihre Umgebung.

Problemfrei erweiterbar

Dabei ist es weder eine technische noch eine finanzielle Herausforderung, die Seilbahn Richtung Luxexpo oder Findel oder in der anderen Richtung zum Centre Douanier mit dem P&R Sud oder dem Fußballstadion zu verlängern. Dabei ist nur zu berücksichtigen, daß eine Seilbahn nur in gerader Linie fahren kann: um die Kurve kann es nur in einer Station gehen (z.B. von der Av. Kennedy mit einer Wendung Richtung Luxexpo und dort mit einer Wendung Richtung Findel).

Laut Schweizer Statistiken ist die Seilbahn das sicherste Verkehrsmittel der Welt. Verkehren kann sie bis zu Seitenwinden von 100 km – und das wird in Luxemburg wirklich nur seltenst überschritten.

Ein weiterer Vorteil der Seilbahn ist der stufenlose Einstieg: Bahnsteig und Gondelboden sind am gleichen Niveau. Rollstühle, Kinderwägen und Fahrräder können so problemfrei hineingefahren werden – und das reduziert die Gesamtkapazität nicht mehr als wenn sie unter größeren Mühen in Bus, Tram oder Zug mitwollen.

Auf die Vorteile gegenüber der Tram sind wir bereits in unserem Artikel vor zwei Tagen eingegangen, weswegen wir das hier nicht noch einmal tun. Gleichzeitig mit der Einsparung der Haltestelle Rote Brücke, für die 110 Millionen veranschlagt wurden, und der gering gerechneten Tramkosten von 345 Millionen käme es demnach zu 415-420 Millionen weniger hohen Investitionskosten.

Komplette Lösung billiger und besser!

Das Verhältnis bleibt bei einer Verlängerung der Seilbahn nach Süden und Osten übrigens dasselbe. Am Ende wird auf diese Weise mehr eingespart, als der letzte Vorschlag von Dipl.-Ing. Georges Schummer zur direkten Zugverbindung unter Oberstadt und Limpertsberg (siehe auf www.busbunn.net) kostet, für den 600 Millionen aufzuwenden wäre.
Ob die Politik ein Einsehen hat? Möglich wär’s ja. Immerhin wird der Beginn der Arbeiten an der Neuen Brücke auf die Zeit nach den EU-Wahlen verzögert, damit sich der Unmut über das dann unvermeidliche Verkehrschaos nicht an den Urnen auswirkt. Und Mini­ster Bausch hätte zugleich ohne jedes Problem Platz für gleich zwei Fahrradspuren auf der Neuen Brücke, wenn der Platzfresser Tram nicht kommt.

Mit dem nötigen Druck aus der Öffentlichkeit sollte es möglich sein, daß die Seilbahn in zwei Jahren fährt – also um einiges bevor die Neue Brücke wieder verfügbar ist. Dieser Mobilitätsgewinn sollte unbedingt genutzt werden!

jmj

Freitag 28. Februar 2014