Vom blau-grünen Schöffenrat organisiert:

Kaufrausch ohne Pause am Sonntag

Von den großen Einzelhandelskapitalisten mit ihren Ketten kommt der Wunsch, überhaupt keine vorgeschriebenen Schließzeiten mehr zu haben. Das Personal möge bitteschön flexibel sein, damit die kleinen Einzelhändler an die Wand gedrückt werden können, denen unter solchen Bedingungen eher früher als später die Luft ausgeht.

Der Hauptstadtschöffenrat hilft, so weit er kann. Von April bis Oktober ist am Nachmittag verkaufsoffener Sonntag. Zeitgleich findet der »vide-grenier« statt: ein zweieinhalb mal zweieinhalb Meter großer Platz mit Tisch gibt es für fünf Euro unter der Telefonnummer 4796-4299, wobei auch zwei Plätze für eine Person reserviert werden können. An diesen Tagen fahren alle Linien des städtischen Busnetzes zum Nulltarif. Wobei Linie 1 zwischen Bouillon und Pescatore am Nachmittag alle zehn Minuten verkehrt und der »City Shopping Bus« zwischen Glacis und Rue Beaumont alle sechs Minuten zwischen 13.30 und 18.30 Uhr.

Damit der Rubel rollt, werden also keine Mittel gescheut. Als wir fragten, was vorgesehen ist für die Kinder der Verkäuferinnen, kam bei Bürgermeisterin Lydie Polfer und Erster Schöffin Sam Tanson kurz Unsicherheit auf. Doch die Bürgermeisterin fing sich wieder und meinte, es müsse mit der »Union commerciale« geredet werden, daß sie die von ihr betriebene Kinderkrippe in der Rue du Nord auch für diese öffnet. Es ist zu hoffen, daß das jetzt nicht vergessen wird! Wenig­stens das…

Von April bis Oktober sind jeweils am zweiten Sonntag im Monat die Gärtnereien und Baumschulen aufgerufen, ihr flexibles Personal zwischen 9 und 17 Uhr zum Blumen- und Pflanzenmarkt am Rouse­gäertchen zu delegieren. Es sind noch Plätze frei unter obiger Telefonnummer. Am dritten Sonntag im Monat gibt es dann den Markt am Glacis. Auf Ideen für den vierten Sonntag freut sich sicher der Schöffenrat, denn es darf doch nicht sein, daß der Kaufrausch Pause macht. Oder gibt es etwa an diesem Sonntag nichts, weil da schon viele zwar noch nicht am Ende des Monats, dafür aber am Ende des Geldes in der Brieftasche angelangt sind? Bürger, macht Kreuze!

Nichts interessiert die verschiedenen Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei weniger als wirkliche Bürgerbeteiligung. Deswegen wird das auch außerhalb von Wahlen tunlichst aufs Kreuzchenmalen reduziert. Für die drei Möglichkeiten einer Melusina-Statue, die im städtischen Museum ausgestellt sind, haben 245 Leute vor Ort Kreuzchen gemacht, im Internet noch einmal 3.419. Es gebe ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen zwei der drei, es dürfe noch bis zum 23. Februar abgestimmt werden, und am 25. Februar wird das Ergebnis veröffentlicht.

Am 25. Februar ist auch letzter Abstimmungstag auf https://pag.vdl.lu. Es gab dort schon 8.955 Besuche, 1.312 ausgefüllte Fragebögen und 745 haben sich für den Newsletter eingeschrieben, aber noch nichts zugeschickt erhalten. Und am 25. März ist dann die erste Abendveranstaltung um 19 Uhr im Kulturzentrum, 254, Rue de Neudorf, für die Stadtviertel Grund, Clausen, Pfaffenthal und Neudorf. Erst dort wird eine Zusammenfassung geboten vom Internetfragebogen, natürlich nur für die vier Stadtteile.

Am 29. Juni zieht dann das Biergercenter um ins umgebaute vormalige katholische Vereinshaus, und am 30. Juni ist auch die feierliche Eröffnung der den Knuedler verschandelnden Verbindungsbrücke zwischen Vereinshaus und Stadthaus. Wir meinten, es gebe wohl mehr Leute in der Stadt, die gerne wüßten, wann der Schandbau wieder wegkommt, worauf Lydie Polfer entgegnete, das sei zur Zeit nicht geplant.

jmj

Donnerstag 13. Februar 2014