Elf Jahre nach dem Luxair-Absturz:

413.000 Euro Schadenersatz für Hinterbliebene

Gut elf Jahre nach dem Absturz einer Fokker 50 der Luxair bekamen Hinterbliebene der insgesamt 20 Getöteten Schadenersatz in Höhe von 413.000 Euro zugesprochen. Das Berufungsgericht Luxemburg sprach den neun Angehörigen, die geklagt hatten, am Dienstag Summen zwischen 21.000 und 130.000 Euro zu. Damit blieb das Gericht unter den Forderungen der Kläger, die mehr als eine Million Euro vom Unglückspiloten und drei weiteren ehemaligen Luxair-Mitarbeitern gefordert hatten.

Die vier Angeklagten waren im März 2012 in einem Strafprozeß vor dem Bezirksgericht Luxemburg zu Bewährungsstrafen von dreieinhalb Jahren bzw. 18 bis 24 Monaten verurteilt worden. Hauptschuldiger war nach Überzeugung des Gerichts der Pilot. Er hatte kurz vor dem Absturz die Schubhebel der Fokker 50 nach hinten gezogen, um rasch an Tempo und Höhe zu verlieren. Die gewählte anormale Propellerstellung – eine Art Schubumkehr – darf aber nur am Boden zum starken Abbremsen benutzt werden. Die Folge: Die Maschine war nicht mehr kontrollierbar und stürzte aus 200 Metern Höhe ab.

Rechtsanwalt Dieter Grozinger, der die Angehörigen von drei deutschen Opfern vertritt, war mit dem zugesprochenen Schadenersatz ge­stern nicht zufrieden. Das Gericht sei »am untersten Ende der üblichen Spanne geblieben«. Rechtsanwalt Pol Urbany, der Jean Majerus, den Vater des beim Absturz ums Leben gekommenen Künstlers Michel Majerus vertritt, erwägt, in Kassation zu gehen. Seinem Mandanten sei zwar ein Schmerzensgeld von 70.000 Euro zugesprochen worden, er müsse aber für Anwaltskosten, die diese Summe bei weitem übersteigen, selbst aufkommen.

Für den Schadenersatz, den der ehemalige Luxair-Pilot und die drei ehemaligen Mitarbeiter des technischen Dienstes der Fluggesellschaft nun leisten müssen, wird die Versicherung der Luxair aufkommen. Bei dem Unglück am 6. November 2002 war das Luxair-Flugzeug auf dem Weg von Berlin nach Luxemburg kurz vor dem Findel abgestürzt. Unter den 20 Toten waren 15 Deutsche. Nur zwei Menschen hatten überlebt: Der Pilot und ein Passagier aus Frankreich.

oe

Oliver Wagner : Mittwoch 22. Januar 2014