Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ hat Wünsche:

25 Prozent sanfte Mobilität mit 25 Prozent Mobilitätsbudget?

Präsident Gust Muller sieht als Hauptaufgabe der 1985 gegründeten LVI, alles dafür zu tun, daß das Fahrrad mehr im Alltag genutzt wird. Die Freizeitnutzung sieht er als Vorstufe zur Alltagsnutzung und den Fahrrad-Tourismus als wirtschaftliche Möglichkeit, die es zu nutzen gilt, und die eine schnellere Verbesserung der Infrastruktur ermöglicht. Bewußt habe sich der Verein, der 1200 Mitglieder und seit drei Jahren eine Angestellte zählt, aus dem Wahlkampf herausgehalten. Nun seien aber Termine bei den neuen Verantwortlichen angefragt worden, und damit das nicht nur im stillen Kämmerlein bleibe, wurde gestern eine Pressekonferenz abgehalten.

Heftigste Forderung ans Nachhaltigkeitsministerium ist zweifelsfrei die, um 25 Prozent sanfte Mobilität zu erreichen, sollten auch 25 Prozent des Mobilitätsbudgets eingesetzt werden. Wobei als »sanft« nur Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad einzustufen sind: daß im Regierungsprogramm der öffentliche Verkehr hinzukam, muß als Irrtum im Überschwang der Gefühle berichtigt werden.

Wem die Forderung zu hoch gegriffen vorkommt, dem teilt die LVI mit, eine Schätzung der Weltgesundheitsorganisation für Österreich erwarte bei 5 Prozent Fahrradmobilität eine Einsparung von 400 Mio. Krankenkassenko-sten und 400 weniger Tote, und das trotz 50 toten Radfahrern im Verkehr. Auf Luxemburg umgerechnet wäre das eine Einsparung von 25 Mio. und 25 gerettete Leben pro Jahr. Die Infrastrukturkosten machten sich demnach bezahlt.

Ein Fahrradwegenetz statt isolierte Radwege

Das Regierungsprogramm sieht erstmalig eine Zelle für sanfte Mobilität vor. Die LVI mahnt, da müßten Leute rein, die selbst Fahrrad fahren im Alltag. Wer will, daß das mehr Leute tun, muß Hindernisse und Gefahren aus dem Weg räumen. Aber die sehen nur Leute, die selbst Rad fahren! Natürlich reklamiert sich die LVI in diese Zelle hinein, wie auch in die allgemeine Mobilitätsplanung bei der Straßenbauverwaltung. Hilfreich bei allem sind transparente Messungen der sanften Mobilität, die ebenso veröffentlicht werden. Begrüßt werden die kürzlich eingeführten sechs Meßpunkte auf nationalen Radwegen, von denen drei im Alzette-Tal sind. Immerhin zählten die 12 Meßpunkte der Stadt Luxemburg 2012 mehr als 800.000 Fahrradbewegungen!

Den meisten Gemeinden fehlt es an Wissen, wie sinnvolle Infrastrukturen für sanfte Mobilität zu gestalten sind: sie müßten daher vom Staat unterstützt werden. Für Verbindungen zwischen Radwegen sind 30 Prozent Staatssubsid nicht genug in Zeiten knapper Kassen, vor allem, wenn da wirklich Neues entstehen soll. Das aber ist nötig, damit ein wirkliches Netz entsteht – und das ist nötig für erheblich mehr Radverkehr. In diesem Sinne braucht es auch in den drei großen Zentren (in und um die Hauptstadt; Esch/Alzette und Belval; Nordstad) zusätzliche Radwege.

Im derzeitigen Gesetzesentwurf für nationale Radwege, das die Vorschrift aufweicht, ein Radweg müsse als Belag Asphalt oder Beton haben und der auch kurze Strecken unter 3 m Breite erlaubt, fehlt der Radweg im Mamertal zwischen Bartringen und Mersch, den im Frühjahr 2013 alle betroffenen Gemeinderäte befürworteten. Beibehalten werden muß unbedingt auch der Radweg »Dörfer der Obersauer«.

Von Anfang an gemeinsam

Damit fertig ausgearbeitete Projekte nicht mehr an ökologischen Einwänden scheitern oder wie für 3 km zwischen Merkholtz und Paradiso seit 8 Jahren aufgehalten werden, sollen die Zuständigen der Umweltabteilung unbedingt von Anfang an in die Planung einbezogen sein. Dies, damit der Vorteil der CO2-Einsparung durch mehr Radverkehr Platz greifen kann, aber auch um möglichst viele für die Schönheiten des Landes zu sensibilisieren: nur wer seine Umwelt kennt, ist bereit, deren Schönheit und Verschiedenheit zu schützen.

Aus dem Belag sollte keine Ideologie gemacht werden: jeder Belag ist gut, der das Fahren auch bei Regen ermöglicht. Die LVI ersucht alle Verantwortlichen des Landes, mit ihr die 500 m »Teststrecke Ludwigkai« mit neun verschiedenen Belags-Sektionen in Würzburg (Bayern) zu besuchen, die seit vier Jahren besteht, und wo eine Evaluation von Radfahrern, Ökologen und Wegerhaltern vorliegt.

Wirtschaftsfaktor Fahrradtourismus

Der Tourismus trug 2012 5,7 Prozent zum Luxemburger Bruttoinlandprodukt bei und beschäftigte 17.500 Leute (7,6 Prozent aller Lohnabhängigen). International nimmt der Fahrradtourismus zu, und er könnte noch mehr in Luxemburg wachsen, wenn denn die Lücken im Radwegenetz geschlossen wären. Das ist als wirtschaftlicher Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen – vom Lückenschluß profitieren würde natürlich auch der nationale Alltagsradler.

Das in den Ardennen, im Müllerthal und an der Mosel eingeführte Leihsystem »Rent-aBike« müßte auf die anderen Gegenden des Landes ausgedehnt werden, damit wirklich überall ein Rad ausgeliehen und zurückgegeben werden kann. Nicht nur in der Moselgegend müßte der Dienst angeboten werden, das Gepäck von Ort zu Ort nachgefahren zu erhalten, um es nicht am Rad mitnehmen zu müssen.

Immerhin haben bereits 80 Beherbergungsbetriebe das Label »bed+bike«, das vom Tourismusministerium nach einer Zertifizierung durch die LVI ausgestellt wird – und es kommen weitere Anträge dafür!

jmj

Donnerstag 16. Januar 2014