Fusion im Energiebereich ist durch:

Ist NewCo die eierlegende Wollmilchsau?

Cegedel, Soteg und Saar Ferngas bilden künftig nur mehr eine Gesellschaft, die nicht börsennotiert sein wird. Das bedeutet, daß die 17% der Cegedel-Aktien im freien Handel über die Soteg als technisches Instrument für die Fusion ausbezahlt oder rausgedrängt werden. Es wird 178,44 € abzüglich der bereits ausgezahlten Extradividende pro Cegedel-Aktie geben: ausbezahlt werden demnach 163,57 €. Die Cegedel-Aktien der Luxempart sind alle zur RWE gewandert.

NewCo, die noch immer keinen richtigen Namen hat, wird folgende Aktionärsstruktur haben:

– Luxemburger Staat 28%
– SNCI (die Investitionsbank des Luxemburger Staats) 11%
– Arcelor Mittal 25%
– RWE 20%
– E.On-Ruhrgas 11%
– Electrabel 5%

Wo der Sitz sich befinden wird, ist auch noch nicht fixiert. Laut Etienne Schneider wird das von der Höhe der Gewerbesteuer in den einzelnen Gemeinden abhängen, was zumindest heißt, daß Esch/Alzette schlechtere Karten als Strassen hat. Einstweilen wird in allen Häusern weitergearbeitet.

NewCo wird aufgeteilt in eine Netzgesellschaft und in eine Energiehandelsgesellschaft, wobei in beiden die Aktionärsstruktur einstweilen gleich ist. Der Luxemburger Staat hat eine Option darauf, die Mehrheit in der Netzgesellschaft durch eine Reduktion seiner Anteile in der Handelsgesellschaft übernehmen zu können, wann immer er das haben möchte.

Das Direktionskomitee der neuen Gesellschaft setzt sich zusammen aus Romain Becker (ex Cegedel), der fürs Netz zuständig ist, Dr. Hanno Dornseifer (ex Saar Ferngaas), der Finanzen und Verwaltung betreut, und Jean Lucius (ex SOTEG), der sich um Produktion, Ein- und Verkauf kümmert.

Präsident des 15-köpfingen Veraltungsrats, darunter drei Vertreter der Lohnabhängigen, ist einstweilen Regierungsrat Etienne Schneider, in drei Jahren folgt ihm der jetzige Vize Marco Hoffmann nach. Weitere Vizepräsidenten sind Fernand Felzinger und Claude Seywert von ArcelorMittal.

Ansonsten wurde nichts Neues verraten. Das Pumpspeicherkraftwerk Vianden wird um 250 MW ausgebaut, das Projekt eines großen Gaskraftwerks in Eisenhüttenstadt von Gasprom, ArcelorMittal und Soteg wird von der NewCo weiterverfolgt, das »Saubere Kohlekraftwerksprojekt« der Cegedel mit der RWE wird ebenfalls übernommen.

Gerade letzteres ist eine schlechte Nachricht für die Verbraucher, da sich solches als teuer und ineffektiv über die bisherigen Kritiken der Umweltschutzorgansisationen hinaus erwiesen hat.

Es steht auch irgendwie im Widerspruch dazu, daß die NewCo in der Produktion ein Schwergewicht auf erneuerbare Energieen setzen soll. Immerhin ist fix festgeschrieben, daß kein Atomkraftwerk betrieben wird.
Alle nötigen Genehmigungen von Wettbewerbsbehörden liegen vor, Soteg und Cegedel haben aktuell im Strombereich in Luxemburg einen Marktanteil von 90%. Es haben sich mittlerweile in Luxemburg 14 Firmen angemeldet, um Strom hierher zu liefern, und 8 Firmen für Gas.

Laut Business-Plan wird die NewCo »wesentliche Investitionen« in Netzausbau und Erzeugung tätigen, genaue Beträge wurden hier ebenso wenig verraten wie über die erwarteten Synergieeffekte, die »natürlich chiffriert wurden«. Aber Pustekuchen: das geht Euch nix an! Versprochen wird nur, daß Betriebe wie Private zu günstigen und konkurrenzfähigen Preisen beliefert werden, wobei ganz besonders in Rheinland-Pfalz und im Saarland Marktanteile hinzugewonnen werden sollen. Eine Ausdehnung nach Frankreich hängt ab von den Bedingungen, die zur Zeit nicht erfüllt sind – wegen einer Subventionierung französischer Anbieter, wie’s Jeannot Krecké beklagte.

Bedauerlicherweise behauptete selbiger erneut, in Luxemburg seien höchstens 8% Alternativenergie machbar, obwohl gerade die Gemeinde Beckerich beweist, daß erheblich mehr möglich ist, wenn es denn die Politik will. Die Gemeindepolitker in Beckerich wollen das – die Landespolitiker offensichtlich nicht, weswegen es auf Landesebene natürlich auch nicht funktioniert. Das ist traurig, aber leider wahr!
Ansonsten sprachen sich die Vertreter aller Aktionäre gestern hoffnungsfroh aus, ohne Konkretes zu verraten. Bis Mitte des Jahres 2009 soll die Gesellschaft jedenfalls voll operativ sein, auch wenn es möglich ist, daß das Herausdrängen der Kleinaktionäre eventuell noch drei weitere Monate in Anspruch nimmt.

Die verbleibenden 6 Gemeinden mit eigenen Stromnetzen, das private Stromnetz in Mersch, die beiden Gemeinden Düdelingen und Luxemburg mit einem Gasnetz und die Sudgaz SA sind willkommen in der NewCo. Energieminister Krecké versprach aber, niemanden dazu aufzufordern oder gar dazu zwingen zu wollen.

Mit diesen Netzen zusammen, die bis auf Mersch Gemeinden gehören, seien die Netze im Land zu mehr als 50% in öffentlicher Hand, und damit sein politisch deklariertes Ziel erreicht, erklärte Jeannot Krecké. Dies gelte auch, wenn zur Zeit der Staat in der Netzgesellschaft nur 39% hält.

Wie sich die NewCo mit der gestern zelebrierten »kritischen Größe« für die Energiebezieher auswirkt, wird sich zeigen. Versprochen wurde jedenfalls viel: bessere Versorgungsgarantie bei besten Preisen!

jmj

Samstag 24. Januar 2009