Sie ließen sich von 11 Prozent Rendite locken:

Luxemburgische Investmentfonds hängen mit 1,9 Milliarden Euro

Die Nachwirkungen des gigantischen Betrugs, den der Finanzguru Bernard Madoff mithilfe eines 50-Mil­liarden-Dollar schweren Schnee­ball­systems organisiert hatte, haben inzwischen auch Luxemburg erreicht.

Wohl vermeldete hier weder ein Bankhaus noch ein Privatkunde aus der superreichen Hochfinanz Verluste, aber die »Commission de Sur­veillance du Secteur Finan­­cier« (CSSF) informierte An­fang dieser Woche darüber, dass Bankhäuser in Luxemburg voraussichtlich mit einem Verlust von 160 Millionen Euro infolge der Madoff-Affäre zu rechnen hätten.
Weitaus größer sind die Auswirkungen im Bereich der lu­xemburgischen Investmetfonds.

Vorsichtigen Schätzungen der CSSF zufolge dürften die Investmentfonds, die dem primitiven Schneeballsystem von Madoff wegen der versprochenen 11 Prozent Rendite auf den Leim gingen, ein Vermögen bis zu 1,9 Milliarden Euro hängen lassen. Auch wenn das nur knapp 0,15 Prozent des Gesamtver­mögens sind, mit welchen die Investmentfonds im November handelten, so ist das den­noch eine gewaltige Sum­me und entspricht dem Haushalt des Luxemburger Ministeriums für soziale Sicherheit für das ganze Jahr 2008!

Doch wie hatte bereits ein englischer Gewerkschafter, den Marx in einer Fußnote des »Kapital« zitierte, geschrie­ben: »Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß…«.

A.R.

Ali Ruckert : Sonntag 28. Dezember 2008