ArcelorMittal beharrt auf der Abschaffung von sechs Ruhetagen

Der Protestmarsch der 1.500 Stahlarbeiter vom 5. November dieses Jahres könnte der Auftakt für ein aktionsreiches Jahresende in der Stahlindustrie gewesen sein. Zwei Tage vor dem Ende der Schlichtungsprozedur waren die Gewerkschaften und die Vertreter von ArcelorMittal am Dienstag dieser Woche nach dreistündigen Verhandlungen auseinandergegangen, ohne dass eine Lösung im Streit um den Abschluß eines Kollektivvertrags gefunden wurde.

Die Verhandlungen hatten von Anbeginn unter keinem guten Stern gestanden, da die Stahlbosse den Kollektivvertrag am 15. Dezember 2012 einseitig aufgekündigt und kein Hehl daraus gemacht hatten, dass sie beabsichtigten, den rund 4.000 Beschäftigten soziale Verschlechterungen abzuverlangen. OGBL-Sprecher Jean-Claude Bernardini hatte ArcelorMittal vorgeworfen, sich weder auf internationaler, noch auf nationaler Ebene an Abmachungen und Verträge zu halten, und gleichzeitig deutlich gemacht, dass die Stahlarbeiter bereit seien, ihre Errungenschaften zu verteidigen.

Die Stahlherren wollten die Stahlarbeiter für die Jahre 2012 und 2013 nicht nur mit einer minimalen, einmaligen Prämie abspeisen, sondern beharrten auch darauf, einen Teil der kollektivvertraglich abgemachten Ruhetage abzuschaffen, aber auch die Anfangsgehälter herabzusetzen und Lohnzuschläge für die nächsten drei Jahre auszusetzen.

Sie bissen sich während der Verhandlungsrunde am Dienstag daran fest, die Zahl der Ruhetage von 37 auf 28 senken zu wollen. Dies wollten sie mit unbedeutenden Kompensationsmaßnahmen »ausgleichen«. Zudem machten sie den Abschluß eines neuen Kollektivvertrags von dessen Kopplung an einen Kompetitivitätsplan abhängig, was die Gewerkschaften strikt ablehnten.

Gestern dann ließ der hiesige Staathalter des indischen Milliardärs Mittal, Michel Wurth, die Gewerkschaftsvertreter offenbar wissen, ArcelorMittal sei bereit, die Anzahl der abzuschaffenden Ruhetage von 9 auf 6 zu reduzieren – was immer noch einen bedeutenden Verlust für die Stahlarbeiter und eine Verlängerung der Arbeitszeiten darstellen würde.

Mit diesem letzten Angebot wird die Verhandlungsdelegation des OGBL nun vor­aussichtlich am 28. November 2013 vor die Tarifkommission treten, die über die Patronatsvorschläge befinden und möglicherweise eine Urabstimmung bei den Gewerkschaftsmitgliedern über Streikaktionen beschließen wird, um soziale Verschlechterungen zu verhindern und bestehende Errungenschaften zu erhalten.

Bis dahin werden die Stahlbarone versuchen, den Druck auf die Stahlarbeiter und ihre Gewerkschaften weiter zu erhöhen. Aus der Vergangenheit weiß man, dass sie selbst vor handfester Erpressung nicht zurückschrecken und sogar Fragezeichen hinter bereits angekündigte Investitionen stellen, um die Stahlarbeiter in die Knie zu zwingen.

A.R.

Ali Ruckert : Donnerstag 21. November 2013