Chinesische Provinz Henan demnächst Aktionär von Cargolux?

Im Wettstreit um den Erwerb von 35 Prozent der Aktien der Frachtfluggesellschaft Cargolux scheint die chinesische Investitionsgesellschaft HNCA, die aus der chinesischen Region Henan kommt, die Nase vorn zu haben. Die Gesellschaft ist im Besitz der Region Henan, die den Flughafen in der Provinzhauptstadt Zhengzhou zu einem internationalen Drehkreuz im Frachtflugverkehr ausbauen will. Henan ist die bevölkerungsreichste Provinz der Volksrepublik.

Bei den Anteilen, die zum Verkauf stehen und 35 Prozent der Aktien ausmachen, handelt es sich um das Paket, das der Luxemburger Staat für 117,5 Millionen Dollar von Quatar Airlines zurückgekauft hatte, nachdem die Katari zuvor damit gescheitert waren, der Cargolux eine Strategie aufzudrücken, welche zur Auslagerung von Betriebsteilen und Arbeitsplätzen geführt hätte.

Wann die Aktien den Besitzer wechseln werden, dürfte sich möglicherweise schon im November entscheiden, es sei denn, die Intrigen von Kreisen, die den USA nahestehen und die eine chinesische Beteiligung an Cargolux verhindern wollen, werden zu weiteren Verzögerungen führen.

Doch die Zeit drängt, da das Eigenkapital der Frachtfluggesellschaft schmolz während der vergangenen Jahre stark zusammen, so dass neues Geld in Höhe von mindestens 200 Millionen Euro – so viel kostet übrigens das Militärflugzeug, das die Regierung gekauft hat – gebraucht wird. Das müsste dann der neue Aktieninhaber zu mindestens 35 Prozent aufbringen. Die restlichen 65 Prozent würden auf die Luxair, die Staatssparkasse und die Nationale Kredit- und Investitionsgesellschaft entfallen.

Minister Wiseler zufolge werde eine Entscheidung über den definitiven Verkauf der Aktien nicht vor den Parlamentswahlen vom 20. Oktober fallen. Zuvor will die Regierung, die eigentlich seit zweieinhalb Monaten nicht mehr im Amt sein dürfte, noch Rücksprache mit dem Cargolux-Verwaltungsrat und den Gewerkschaften nehmen. Der OGBL hatte deutlich gemacht, dass er sich in jedem Fall und unabhängig davon, wer neuer Aktionär sein wird, einem Abbau von Arbeitsplätzen und einer Auslagerung von Betriebsteilen widersetzen werde.

A.R.

Ali Ruckert : Dienstag 8. Oktober 2013