Namen genannt

Venezuelas Innenminister legt detaillierte Pläne für Anschlag auf Präsident Maduro offen. Spur führt nach Bogotá und Miami

Etwas mehr als drei Monate nach seinem offiziellen Amtsantritt als Präsident Venezuelas sollte Nicolás Maduro offenbar ermordet werden. Das hat Innenminister Miguel Rodríguez am Mittwoch (Ortszeit) in einem Interview mit dem lateinamerikanischen Fernsehsender »TeleSur« aufgedeckt. Miguel Rodríguez gilt als ausgewiesener Experte in seinem Amt, denn unter Hugo Chávez war er bereits acht Jahre lang für die Geheimdienste der Bolivarischen Republik verantwortlich. Zudem wurde er zu den engsten Vertrauten des am 5. März verstorbenen Präsidenten gezählt.

In dem Gespräch mit der Journalistin Patricia Villegas erklärte Miguel Rodríguez nun, den Behörden in Caracas lägen umfangreiche Beweise vor, daß die antikommunistische Mafia in Miami (USA) federführend an den Plänen für einen Anschlag auf den Staatschef beteiligt gewesen sei. Sie seien initiiert worden, nachdem die von ihm als Putschversuch bewerteten gewaltsamen Proteste der rechten Opposition in Venezuela nach der Präsidentschaftswahl am 14. April ergebnislos geblieben waren.

Ausgangspunkt der Vorbereitungen für ein Attentat sei jedoch Bogotá gewesen. Als Hauptverantwortliche nannte Miguel Rodríguez den früheren kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe und den honduranischen Exdiktator Roberto Micheletti, der das zentralamerikanische Land nach dem Sturz des gewählten Präsidenten Manuel Zelaya im Juni 2009 ein halbes Jahr lang regiert hatte. Diese hätten sich dazu mehrfach unter anderem in Panama getroffen.

Neben Uribe und Micheletti sei an den Planungen auch der in den USA lebende Terrorist Luis Posada Carriles beteiligt gewesen. Die Verbindung zwischen ihm, dessen Auslieferung Venezuela wegen des Bombenanschlags auf ein kubanisches Verkehrsflugzeug 1976 fordert, und den anderen Mitgliedern der Gruppe sei durch einen Mittelsmann namens Eduardo Macaya hergestellt worden. Der gehöre einer »Patriotischen Antikommunistischen Front« in Miami an.

Weitere Verbindungsleute seien ein »Julio« vom »Comando F4« und ein kubanischstämmiger Unternehmer namens »Many«, der die Finanzmittel für die Operation bereitgestellt habe. Ebenfalls beteiligt gewesen sei Roberto Alonso, der Bruder der USA-Schauspielerin María Conchita Alonso. Dieser Roberto Alonso galt schon als Hauptverantwortlicher der »Operation Daktari« 2004. Damals konnten die venezolanischen Behörden 400 aus Kolumbien eingeschleuste Paramilitärs verhaften, deren Auftrag Mordanschläge auf führende Repräsentanten der venezolanischen Regierung gewesen waren.

Von der Journalistin gefragt, ob die Anschlagspläne auch Thema bei der jüngsten Unterredung zwischen Maduro und dem kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos am 22. Juli in Puerto Ayacucho gewesen seien, schützte der Minister Unwissenheit vor. »Das ist eine Information, die Präsident Maduro geben müßte, nicht ich«, sagte er. Bei dem Treffen hatten die beiden Staatschefs die bilaterale Krise beigelegt, die im Mai durch den Empfang des venezolanischen Oppositionsführers Henrique Capriles in Bogotá ausgelöst worden war. Bereits damals hatte Caracas gewarnt, die Reise dieses Politikers, der Maduro bei der Präsidentschaftswahl unterlegenen war, sei Teil einer Konspiration.

Daran erinnerte nun Miguel Rodríguez. Die venezolanischen Behörden seien den Anschlagsplänen seit Monaten auf der Spur gewesen und hätten auch mehrfach entsprechende Warnungen veröffentlicht. Da allerdings die rechten Medien Venezuelas und anderer Länder solche Informationen entweder verschwiegen oder lächerlich gemacht hätten, habe er sich gezwungen zu sehen, die detaillierten Pläne offenzulegen, um einen Mordversuch schon in der Vorbereitungsphase zu verhindern.

Modaira Rubio, Caracas

Freitag 2. August 2013